Biografien

Arnold, Auer, Diemberger, Richard Goedeke, Grohmann, Habeler, Kaltenbrunner, Nairz, Steck

Peter Brunnert: Bernd Arnold – Ein Grenzgang
Panico-Alpinverlag 2017, ISBN-13 978-3-95611-080-1, € 29,80.
Ein Highlights der Alpinliteratur über den Elbsandstein-Hero (mehr als 900 Erstbege-hungen), Barfußkletterer, Kletterlegende –  einer der besten Klettterer der letzten Jahr-zehnte, 1988 auf dem Zenit seiner Kletterkunst. Trotzdem ließ man Bernd Arnold nie aus der DDR ausreisen. Erst auf Fürsprache seiner Freunde Kurt Albert und Wolfgang Güllich durfte er an der DAV-Expedition zu den Trangotürmen teilnehmen, die ihn fast das Leben kostete. Einfühlsame Beschreibungen und interessante Fotos zeigen die viel-schichtige Persönlichkeit Bernd Arnolds, die außer am Berg auch Größe im Privatleben, im Beruf, im Umgang mit den Bergkameraden, im Erfolg und im Unglück zeigt.           RW

Hansjörg Auer: Südwand
270 Seiten mit Farbbild-Teil, Hardcover 14,2 x 2,7 x 22,1 cm; Malik-Verlag 2017, ISBN-10: 3890294804; € 20,00. Die neunhundert Meter hohe Marmolada-Südwand nimmt im Leben von Hansjörg Auer einen zentralen Platz ein. Neben dem Eröffnen eigener Routen ragt hier unter zahlreichen Free-Solo-Aktionen besonders der „Weg durch den Fisch“ – als Erster seilfrei – heraus. Das Buch eines Bergbesessenen, der freimütig seelische Probleme wie seine Magersucht anspricht, und eine Bestandsaufnahme des heutigen Spitzenbergsteigens mit abgeschiedenen Zielen wie Kuniyang Chchish, Masherbrum, Nilgiri Süd, Baffin Island, wo minimalistischer „Reduktionsalpinismus“ zelebriert wird –  geringster Materialaufwand, gepaart mit Können und Willensstärke.                               a.m.

Peter Habeler, Karin Steinbach: Das Ziel ist der Gipfel
Zahlr.
farb. und SW- Abb., Format 22,5 cm x 15 cm, Tyrolia Verlag, 3. Ergänzte Auflage 2017, ISBN 978-3-7022-2812-5; € 24,90. Peter Habeler machte sich mit  unglaublich schnellen Wiederholungen extremer Routen und der ersten Besteigung des Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff mit Reinhold Messner einen Namen in  der inter-nationalen Bergsteigerszene. Weitere erfolgreiche Achttausenderexpeditionen folgten. Zu seinem 75. Geburtstag klettert er mit David Lama im März 2017 – 42 Jahre nach seinem 10-Stunden-Rekord mit Reinhold Messner – bei winterlichen Verhältnissen über die berüchtigte Eigernordwand. Ehrlich und offen erzählt Peter Habeler von seinem auf-regenden Leben mit und in den Bergen, von Grenzerfahrungen, Triumphen und Nieder-lagen, von wichtigen Begegnun-gen, Freundschaften und den Menschen, die ihn ge-prägt haben, von notwendiger jugendlicher Frechheit und der Kunst, als Bergsteiger älter zu werden.                                                                                                                                          GR

Kurt Diemberger: Aufbruch ins Ungewisse …
Eine Autobiographie mit zahlreichen Bildern und Skizzen, Format 12,5 x 18 cm; Verlag Malik National Geographic, ISBN 978-3-492-40434-1. Kurt Diemberger: Geboren in Villach; eine Zeit lang in Salzburg zu Hause; aktuell ansässig in Bologna; gesamtheitlich weltweit beheimatet. Diembergers Lebenslauf ist dicht gewoben. Er erklimmt, autophi-losophisch unterlegt, seine Himmelsleiter. Wo immer er sich bewegt, lenkt er seinen Aufbruch ins Ungewisse – bevorzugt auf höchste Gipfel, ins Shaksgam-Tal, ans Ufer des Amazonas … Kurt der Kristallsucher, der Ausnahme-Bergsteiger, der am höchsten Punkt der Erde wirkende Bergfilmer, der mit dem Piolet d’Or Gekrönte, getrieben seit Schul-zeit-Tagen von unstillbarer Sehnsucht nach freiem Sein, freiem Tun und gleicherweise freiem Loslassen. Von der Direttissima zur Schaumrolle der Königspitze zu zwei Acht-tausender-Erstbesteigungen … Diembergers Aufbruch ins Ungewisse währt, scheinbar, ewig fort. Ad multos annos!                                                                                                                   G. A.

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Richard Goedeke: Spagat – Ein Leben zwischen Berg und Engagement
Zahlreichen Farb- und SW-Fotos, 15 x 23 cm, gebunden, Rother 2016, ISBN 978-3-7633- 7074-0, € 25,60. Zunächst der Spagat beim Bergsteigen zwischen Sicherheit und Risiko, wobei das nötige Glück dem Autor immer zur Seite stand. Der Spagat mit dem Universi-tätsstudium wurde locker bewältigt, der Doktortitel mit Auszeichnung errungen. Als Alpenvereinsfunktionär und Jugendleiter gab es während der 1960er Jahre Differenzen – aufmüpfiges, nonkonformistisches Verhalten wurde (wird?) nie geschätzt. Und ein Be-kenntnis zur grünen Umweltpolitik galt damals nicht unbedingt als Empfehlung. Den schwierigsten Spagat aber schaffte Goedeke laut seinen sehr persönlich geschriebenen Zeilen offenbar ohne größere Verletzungen aller Beteiligen. Die Liste seiner Veröffent-lichungen und seiner Erstbegehungen ist lang. Und dass der Mulhacen (Spanien) der höchste Gipfel Europas vom Erdmittelpunkt an gerechnet ist, war dem Rezensenten unbekannt.                                                                                                                                                 L.G.

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Hrsg. Wolfgang Strobl
Paul Grohmann: Erschließer der Dolomiten und Mitbegründer des Alpenvereins
256 Seiten mit zahlreichen Abb., Verlag Athesia, ISBN 978-88-6839-037-2, € 24,90
Mit der Lebensgeschichte und dem alpinistischen Wirken von Paul Grohmann als dem „Kolumbus der Dolomiten“ und Wegbereiter eines alpinen Fremdenverkehrs in dieser Region beschäftigen sich hier sechs Autoren. Dadurch wird viel vom zeitgeschichtlichen Umfeld sichtbar, denn von Grohmann selbst ist außer verstreuten Aufsätzen in alten Jahrbüchern im Grunde nur seine Aufsatzsammlung „Wanderungen in den Dolomiten“ erhalten, eine heute kaum lesbare Mischung aus Erlebnisbuch und Führer-Vorläufer. In jener Zeit waren die Autoren sorgsam bemüht, nur ja nichts Privates in ihre Texte ein- fließen zu lassen und alles dem BERG unterzuordnen. Sein alpinistischer Lebensweg endet praktisch in seinem fünfunddreißigsten Lebensjahr – als er durch den Börsen- krach 1873 sein gesamtes Vermögen verliert und ab dann in bescheidensten Verhält- nissen in einer Einzimmerwohnung lebt – von Unterstützungen durch Freunde und einer kleinen Rente seiner Schwester.
Dieser erste Band einer künftigen Reihe „Toblacher Ortsgeschichte“ ist eine wissen-schaftlich fundierte Arbeit mit zahlreichen Quellenverweisen und Fußnoten, erschließt den Lesern aber vermutlich alles, was über den „König der Dolomiten“ zu erfahren war.
                                                                                                                                                                                  a.m

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Gerlinde Kaltenbrunner: Ganz bei mir, Leidenschaft Achttausender
Mit Kapitel zum K2-Erfolg, Mitautorin: Karin Steinbach, erschienen am 16.2.2015,              384 Seiten, Taschenbuch, Malik Verlag; ISBN: 978-3-492-40541-6, € 14.99
„Bergsteigen ist für mich kein Wettkampf, es ist mein Leben“. Gerlinde Kaltenbrunner erzählt von den Anfängen als junges Mädchen, wo sie durch den Pfarrer Ihrer Heimat- gemeinde in Oberösterreich mit dem Bergvirus infiziert wurde, über ihre Entwicklungs- stationen (von der Krankenschwester bis zur Profibergsteigerin) mit dem immer glei- chen Ziel, Berge zu besteigen. Alles Materielle dem unterzuordnen und für ihren Le- bensschwerpunkt alles einzusetzen, was sie hat – ganz einfach aus dem Grund, weil sie sich dort – auf den Bergen – am Allerwohlsten fühlt, dort bei sich ist.
Man spürt ihre Verbundenheit mit dem Berg, ihre Ehrfurcht, ihre tiefe Dankbarkeit nach erfolgreicher Begehung, ihre Zweifel und Ängste. Aber trotz allem spürt man diesen Wil- len, das enorme Durchhaltevermögen und die Kraft, um die Ziele zu erreichen. Kalten- brunner glorifiziert weder ihr eigenes Können, noch verschönert sie die dramatischen Situationen. Es ist nicht der Wettkampf, als erste Frau alle 14 Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff zu besteigen, es ist die unstillbare Sehnsucht aus eigener Kraft auf den schönsten und höchsten Gipfeln der Welt zu stehen. Gerlinde Kaltenbrunner bleibt immer die naturverbundene, leidenschaftliche Bergsteigerin, die bei allen An- strengungen und Gefahren den Blick für die Schönheit der Bergwelt nicht verliert. Dass persönliche Anekdoten Platz finden und schließlich auch das innige Verhältnis zwi- schen der Autorin und ihrem langjährigen Wegbegleiter Ralf Dujmovits erwähnt wer- den, macht die gesamte Berg-Lebensgeschichte menschlich. Spürbar in Kaltenbrunners eigener Sprache geschrieben, stilistisch auf behutsame Weise festgehalten durch die Co-Autorin, ist das Buch fesselnd, ohne dabei reißerisch oder heroisch zu werden.     b.g.

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Wolfgang Nairz
„Es wird schon gut gehen“ Berge und andere Abenteuer meines Lebens
Wolfgang Nairz im Gespräch mit Horst Christoph
272 Seiten, Online-Preis € 24.95, Tyrolia Verlag, ISBN: 978-3702234119, € 24,95
Anlässlich des 70. Geburtstages erzählt Wolfgang Nairz von seinem abenteuerlichen Leben. Schon im Elternhaus waren die Gipfel der Welt Gesprächsstoff und Hermann Buhl ein Gast im großväterlichen Wohnzimmer. So führt das Buch über die bergsteige- rischen Erfolge zu der erfolgreichen Expedition von 1978 am Everest. Nairz leitete seine Expeditionen antiautoritär und nicht in dem strengen militärischen Stil der früheren Generationen. Viele seiner Wegbegleiter liefern in dem Buch humorvolle Beiträge. Den Expeditionsleiter Wolfang Nairz verbindet bis heute Freundschaft mit allen Teilnehmern seiner Unternehmungen auf den Weltbergen. „… immer sind wir in Frieden nach Hause gekommen“, bestätigt auch Reinhold Messner.
Die bisher unveröffentlichten privaten Briefe bringen dem Leser den Menschen Wolf- gang Nairz näher. Ganz besonders berührt hat mich der Brief seines Schwiegervaters anlässlich des Erfolges am Mount Everest. Der Titel: „Es wird schon gut gehen“ spiegelt die positive Lebenseinstellung von Wolfi Nairz faszinierend und ebenso seine Laufbahn als Heißluftballonfahrer sowie sein soziales Engagement in Nepal, von dem er im letz- ten Drittel des Buches berichtet. Etwas störend sind die künstlich wirkenden Interviews von Dr. Horst Christoph. Dadurch wirkt das Buch nicht so flüssig und die Spannung wird unterbrochen. Trotzdem ein schönes Buch, welches auch mit beeindruckenden Fotos aufwartet.                                                                                                                                                   b.g.

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Ueli Steck mit Karin Steinbach: 8000+ — Aufbruch in die Todeszone
256 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, gebunden und Taschenbuchformat,
Malik – National Geografic 2014, ISBN 978-3-492-40547-8, € 19,99 / € 12,99.
Der Schweizer Ueli Steck, Jahrgang 1976, wurde ursprünglich durch unwahrscheinlich schnelle Solobegehungen großer Alpenwände bekannt. In logischer Fortentwicklung hat er dies auf die höchsten Gipfel der Erde übertragen, und zählt nun zu den Spitzen der alpinistischen Weltliga. Genaue Selbsteinschätzung, kluge Taktik sowie Verzicht auf Hilfsmittel wie Flaschensauerstoff und Medikamenten-Tricksereien kennzeichnen sei- nen Stil. Dieses Buch bildet auch eine Momentaufnahme des derzeitigen internationa- lisierten Expeditionsgeschehens, in dem sich alle Stilrichtungen zugleich beobachten lassen: vom „Pisten-Alpinismus“ an den Achttausendern, über das Eroberungs-Er- schließen technisch ungemein anspruchsvoller Wände bis zu Leichtgewichts-Unterneh- mungen mit großer sportlich-moralischer Selbstdisziplin. Seine größten Leistungen sieht er selbst daher in seinen Speed-, Solo- und Erstbegehungen hoher, schwieriger Himalayawände, vor allem der Shisha Pangma-Südwand. Dennoch: der höchste Berg der Welt lockte auch ihn – Kommerzbetrieb hin oder her! Stecks Entschluss, 100 Höhen- meter unter dem Gipfel des Everest aus Sorge um seine gefühllosen Zehen umzukeh- ren, nötigt Respekt ab. Zwei Jahre später hat er ihn dann problemlos (ohne Flaschen- sauerstoff, versteht sich) erreicht – und dies lässt Rückschlüsse zu auf den immensen Druck und die Risikobereitschaft der Alpinisten in früheren Jahrzehnten, als es für sie praktisch meist nur EINE einzige Chance in einem Bergsteigerleben gab. Flüssig ge- schrieben, spannend zu lesen – sollte in keinem Bergbuchregal fehlen!                          a.m.

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