Biografien

Arnold, Auer, Diemberger, Eiter, Frankl, Goedeke, Grohmann, Habeler, Hainz, Kaltenbrunner, Kammerlander, Kurtyka, Nairz, Steck, Welzenbach

Peter Brunnert: Bernd Arnold – Ein Grenzgang
Elbsandstein-Hero (mehr als 900 Erstbegehungen), Panico-Alpinverlag 2017, ISBN-13 978-3-95611-080-1, € 29,80.

Hansjörg Auer: Südwand
270 Seiten mit Farbbild-Teil, Hardcover 14,2 x 2,7 x 22,1 cm; Malik-Verlag 2017, ISBN-10: 3890294804; € 20,00.

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Kurt Diemberger: Aufbruch ins Ungewisse …
Autobiographie mit zahlreichen Bildern und Skizzen, Format 12,5 x 18 cm; Verlag Malik National Geographic, ISBN 978-3-492-40434-1.

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Angela Eiter: Alles Klettern ist Problemlösen – Wie ich meinen Weg nach oben fand
160 Seiten, viele Farbfotos, 16,2 x 2 x 22,8 cm, € 19,95; Tyrolia 2019, ISBN 978-3-7022-3806-3; ÖAZ 1645. Authentisch, offen und ehrlich erzählt Angela „Angy“ Eiter von ihrem steinigen Weg zum „Top“ des Klettersports. 1986 in Zams geboren und in Arzl im Pitztal aufgewachsen, ist sie von Kindheit an der Faszination des „Spiels“ in der Vertikalen verfallen. Talentiert und extrem motiviert gab sie immer ihr Bestes. Heute zählt sie zu den Top-Sportkletterinnen der Welt: 2005, 2007, 2011 und 2012 Weltmeisterin im Lead, 2010 Europameisterin, drei Mal hintereinander (2004, 2005 und 2006) Weltcup-Gesamtsiegerin. Den Rockmaster in Arco gewann sie sechs Mal – eine außergewöhnliche Leistung, die bis heute keiner anderen Frau gelang. 2013 zog sie sich aus dem Wettkampfgeschehen zurück und widmete sich dem Freiklettern im Fels. Den größten Triumph realisierte sie 2017 in Spanien: Als erste Frau weltweit kletterte sie eine Route im Schwierigkeitsgrad 9b (XI+/XII–). Angy Eiter setzte Meilensteine und gestaltete die Entwicklung des österreichischen Klettersports bis zur Weltspitze maßgeblich mit. Ihre Biografie ist eine Anleitung zum Erfolg, und deswegen allen zu empfehlen, die über sich hinauswachsen wollen. Wer das Buch liest, wird sich einer staunenden Bewunderung für die Ausnahmesportlerin nicht entziehen können: Für Angys Leben am Limit, ihr bedingungsloses Streben nach oben, ihre professionelle Einstellung und ihre kämpferische Natur, immer das Maximum aus sich herauszuholen. In ihrem Buch öffnet sie aber auch einen unverblümten Blick auf einen gnadenlosen Leistungsapparat, in dem ein einziger Griff über Sein oder Nichtsein entscheiden kann. Dank beinharter Arbeit und Disziplin, unbändigem Ehrgeiz aber auch dank ihrer Begeisterung und Leidenschaft fürs Klettern kämpft sich Angy Griff um Griff ganz nach oben. Überwinden musste sie dabei nicht nur körperliche Schwächen und Magersucht, sondern auch Mobbingattacken, Misserfolge, Abstürze und Verletzungspech. Prädikat: empfehlenswert!      Thomas Rambauske

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Michael Holzer, Klaus Haselböck: Berg und Sinn – Im Nachstieg von Viktor Frankl
184 Seiten, viele Bilder, Verlag Bergwelten 2020, ISBN 9783711200044, € 20,00; ÖAZ 1646. Viktor Frankl, Begründer der Logopädie, war vom Bergsteigen begeistert: es half ihm, persönliche Ängste und Schwächen zu überwinden: „Muss ich mir von mir alles gefallen lassen?!“ Er nannte dies die „Trotzmacht des Geistes“. Diese Einstellung half ihm in allen Phasen seiner höchst bewegten und bewegenden Biografie: Vom Medizinstudenten und Psychologen über den recht- und namenlosen, gedemütigten, entkleideten KZ-Häftling bis zum international anerkannten, mit insgesamt 29 Ehrendoktoraten ausgezeichneten Geisteswissenschaftler, der im Klettern einen schlichten Gegenpol zu seiner stressigen Berufstätigkeit fand. Die Autoren verknüpfen in diesem Buch sieben Stationen in Frankls Bergsteigerleben, von der Mitzi Langer-Wand über Hohe Wand, Rax und Dachstein-Südwand, mit dem Lebensweg eines weisen Zeitgenossen, dem der BERG immer wieder neue Lebens- (und zeitweise Überlebens-) kraft spendete. Dabei kommt erneut die Erkenntnis zum Tragen, dass nicht die blanke Schwierigkeit, sondern der Grad persönlicher Erfüllung den Wert des Bergsteigens bestimmt.    Adi Mokrejs

Österreichs Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, der weltberühmte Psychiater Viktor Frankl stärkte über das Klettern seine innere Ressource, die er „Trotzmacht des Geistes“ nannte. „Ohne das Klettern wäre Viktor nicht am Leben geblieben“, erklärt dessen Frau Elli Frankl die Natur des Psychiaters, der beim Klettern zu seiner persönlichen Sinnerfüllung fand. Gegen seine Höhenangst, gegen die Nazis, für das Überleben in vier Konzentrationslagern. Was an Frankl so begeistert, ist sein Optimismus, der Mut macht. Klettern als Parabel für das Leben. Die Berge als Orte der Inspiration. Psychohygiene in der Kletterwand gegen Stress. Der Alpinismus verlangt mentale Kompetenzen, die auch im normalen Leben nützlich sind. Mut, Konzentration, Zielfokussierung, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz. Beim Klettern lernen wir, dass wir unsere innere Einstellung frei wählen können: „Man muss sich ja nicht alles von sich gefallen lassen. Man kann auch stärker sein als die Angst und über sich selbst hinauswachsen.“ Das Autorenduo begab sich auf Frankls Spuren, folgte ihm quer durch die Felslandschaft der Wiener Hausberge zum Dachstein und in die Dolomiten. Im „Nachstieg“ lassen sie Frankls beeindruckendes Leben Revue passieren und verbinden jede Kletterroute mit seiner Botschaft. Schneeberg, Rax, Peilstein und Große Zinne – alle Bergtouren sind zum Nachklettern im Buch, mit nützlichen Infos dazu (Erreichbarkeit, Zugang, Schwierigkeitsgrade etc.). „Vom Sinn des Lebens und vom Glück als Nebeneffekt kann man sich überall finden lassen, vor allem beim Klettern“, fassen die beiden Autoren Frankls Lebensmaxime zusammen.    Thomas Rambauske

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Richard Goedeke: Spagat – Ein Leben zwischen Berg und Engagement
Zahlreichen Farb- und SW-Fotos, 15 x 23 cm, gebunden, Rother 2016, ISBN 978-3-7633- 7074-0, € 25,60.

Hrsg. Wolfgang Strobl
Paul Grohmann: Erschließer der Dolomiten und Mitbegründer des Alpenvereins
256 Seiten mit zahlreichen Abb., Verlag Athesia, ISBN 978-88-6839-037-2, € 24,90; erster Band der Reihe „Toblacher Ortsgeschichte“.

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Peter Habeler, Karin Steinbach: Das Ziel ist der Gipfel
Zahlr.
farb. und SW- Abb., Format 22,5 cm x 15 cm, Tyrolia Verlag, 3. Ergänzte Auflage 2017, ISBN 978-3-7022-2812-5; € 24,90.

Christoph Hainz, Jochen Hemmleb: Nur der Berg ist mein Boss
272 Seiten, Tyrolia 2019; 2019978-3-7022-3753-0, € 24,95. Der Südtiroler Christoph Hainz zählt zu den besten Kletterern und Allroundalpinisten Südtirols und agiert bewusst abseits des Profibergsteigens. https://www.christoph-hainz.com/videos/  

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Gerlinde Kaltenbrunner: Ganz bei mir, Leidenschaft Achttausender
Mitautorin: Karin Steinbach, 384 Seiten, Taschenbuch, Malik Verlag 2015; ISBN: 978-3-492- 40541-6, € 14,99.

Verena Duregger & Mario Vigl: Hans Kammerlander – Die Höhen und Tiefen meines Lebens
256 Seiten, Malik-Verlag, € 20,60; ISBN-10: 3890294979.

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Bernadette McDonalds: Die Kunst der Freiheit. Voytek Kurtyka – Leben und Berge
400 Seiten, zahlr. Fotos, Hardcover, geb., AS Verlag 2019, € 35,90; ÖAZ 1646. Der Pole Voytek Kurtyka gilt als unbestrittener Meister der Hohen Tatra, der höchsten Wände der Alpen und Skandinaviens, des Himalaya und Karakorum. Mit weltberühmten Kletter-partnern wie Alex MacIntyre, Ludwik Wilczyczynski, Erhard Loretan und Robert Schauer gelangen ihm spektakuläre Erstbegehungen, die noch heute zu den Marksteinen der Alpingeschichte zählen. Was Kurtyka auszeichnet sind sein geniales Bewegungstalent, unbändiger Wille, überragende Zähigkeit, große Leidensfähigkeit und Kompromiss-losigkeit im Kampf gegen sich selbst. „Ich glaube aus tiefstem Herzen, dass das Klettern den Kletterer zu körperlichem und geistigem Wohlbefinden, ja zu Weisheit erheben kann, dass aber Preise und Ehrungen den Kletterer zu Eitelkeit und Egozentrik verführen. Wo Preise und Ehrungen regieren, endet die wahre Kunst.“ Mit dieser Erklärung lehnte Kurtyka die Einladung in die Jury des Alpinismus-Oscars und den „Piolet d’or“ ab. Denn der Versuch, alpine Großtaten zu vergleichen, sei so sinnlos wie die Frage, ob Sex oder Weihnachten besser wäre … Irgendwann akzeptierte er zumindest die Auszeichnung dann doch: „Unsere Erlebnisse grenzen manchmal an eine Art Erleuchtung, die unser Leben zutiefst prägt …“ Kurtyka bietet nicht nur ungekannte Einblicke in die polnische Bergsteigergeschichte, sondern eröffnet auch Möglichkeiten zur Überwindung jener Gipfel und Wände, die unser aller Leben prägen. Um seine Botschaft zu verstehen, braucht es keine Steigeisen, Seile und Haken.   GR

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Wolfgang Nairz (im Gespräch mit Horst Christoph)
„Es wird schon gut gehen“ Berge und andere Abenteuer meines Lebens
272 Seiten, Online-Preis € 24.95, Tyrolia Verlag, ISBN: 978-3702234119, € 24,95.
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Ueli Steck mit Karin Steinbach: 8000+ — Aufbruch in die Todeszone
256 Seiten, mit zahlr. Abbildungen, geb. und Taschenbuch, Malik – National Geografic 2014, ISBN 978-3-492-40547-8, € 19,99 / € 12,99.

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Reinhold Messner: Der Eispapst – Die Akte Welzenbach
414 Seiten, Hardcover, Fischer Verlag, ISBN 978-3-10-397450-8, € 24,00; ÖAZ 1645. Wilhelm „Willo“ Welzenbach, Jahrgang 1900, war der wohl beste Eisgeher der Zwischenkriegsjahre. Seine Eisanstiege  in den Nordwänden der Ost- und Westalpen waren richtungweisend und rückten ihn damit in die vorderste Reihe jener Auserwählten, die sich auf die Suche nach dem damaligen heiligen Gral des Alpinismus, der Erstbesteigung eines Achttausenders machen durften. Sein Leben endete am 13.7.1934 im Lager VII am Nanga Parbat auf einer Höhe von 7050 m, in einem tagelang wütenden Orkan. Dieses Buch verknüpft packende Erlebnis-berichte aus den Nordwänden der Alpen mit dem Nanga Parbat-Geschehen und der gleichzeitig stattfindenden, unheilvollen Vermengung des Alpinismus mit der Politik des Dritten Reiches. Die stramm nationalsozialistische Komponente wurde repräsentiert durch den Notar Paul Bauer, Fachverbandsführer für Bergsteigen und Wandern. Der hatte sich allmählich ein verbissen verteidigtes Monopol für Himalaya-Expeditionen aufgebaut und wurde von einem parallel agierenden Konkurrenten Welzenbachs zu dessen Intimfeind. Messner lässt die protokollarischen Fakten aus Briefwechseln, Zeugenaussagen und Tagebüchern für sich sprechen und vermittelt als neutraler Historiker ungefilterte Einblicke in einen wahren Intrigantenstadel, welche das lange gepflegte Edelbild des Bergsteigers auf ein desillusionierendes Normalmaß stutzen. Unter dem jahrzehntelang mit dem rotkarierten Tuch der „Bergkameradschaft“ zugedeckten Tisch wurde kräftig gegen Schienbeine getreten, während oben umfangreiche und substanzfressende Korrespondenzen (stellenweise eine etwas spröde Materie) geführt wurden, in denen es um möglichst diplomatische Formulierungen gehen musste – allen  Quertreibereien, persönlichen Enttäuschungen und Verärgerungen zum Trotz, und kaum anders als im alltäglichen Geschäftsleben, wenn große Egos ihre Interessen durchboxen möchten. Der nunmehrige Abstand zu den damaligen Geschehnissen bietet erhellende Einsichten in die Gedankenwelt zahlreicher Bergsteiger der Zwanziger- und Dreißigerjahre, mit dem Alpinismus als förmlichem Kriegsersatz, mit Nationalstolz, Führerprinzip, Helden- und Opfermythos – eine Haltung, die sich letztlich ohne große Retuschen passgenau in die NS-Ideologie einfügen ließ.      a.m.