Eis- & Mixed Erstbegehungen

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Neue Eis- und Mixedrouten an der Rauhen Gaisl

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Spitzborscht, M8, WI 5, 125 m, K. Astner, U. Ties 2000;
Guasborscht, M6, WI 6, 135 m, K. Auer, Ph. Uteregelsbacher 1997;
Eiserne Jungfrau, M8+, WI6 , 110 m, S. Gietl, V. Messini 2015;
New Look new hook, M9 WI 5+, 120 m, Chr. Hainz, K. Astner 2018;
Exit, M8-, 285 m, S. Gietl und R. Jasper 2018.                                                                                  Ohne Verwendung von Bohrhaken eröffneten Simon Gietl und Robert Jasper einen langen Mixed-Ausstieg zu den Routen an der Rauhen Gaisl. 2015 bemerkten Vittorio Messini und Peter Luner während eines Wiederholungsversuchs der „Beerdrinking“, dass ein beachtlicher Teil der Tour Opfer der Schwerkraft geworden war. Doch zwischen „Spitzborscht“ und „Guasborscht“ konnten Vitto und Simon die erste Seillänge bis zum kleinen Band eröffnen. Darauf folgte die Schlüsselstelle, um zum Quergang und dem, noch vorhandenen Teil von „Beerdrinking“ zu kommen. Sie nannten die Tour „Eiserne Jungfrau“ nach dem furchteinflößenden Foltergerät des Mittelalters und dem jungfräulichen ersten Teil bis zum Ausbruch der „Beerdrinking“.
Drei Jahre später kletterte Simon mit Robert Jasper den Eisklassiker „Spitzborscht“ und meinte am Ende des Wasserfalls, dass sich ein Anstieg durch die gesamte Felswand der Rauhen Gaisel lohnen würde. Am 7. 2. 2018 starteten die beiden ihren Erstbege-hungsversuch über eine schwarze kompakte Platte voller Neuschnee. Da der Fels unangenehm geschichtet ist, gestaltete sich das Setzen der Pickelhauen und das Belasten der Steigeisenspitzen extrem schwierig. Kletterei und Anbringen von Sicherungen waren äußerst anspruchsvoll. Es ging nur langsam höher. Zwei Wochen später kletterten die beiden vom Umkehrpunkt sechs weitere schöne Seillängen bis zum Gipfel und nannten die Tour „Exit“.
Quelle: www.simongietl.it

Erstbegehung „MfG“, M9 und WI 6: Der Rastentalfall bei Rein in Südtirol bildet eine schöne Eislinie, die von einem überhängenden Wandteil unterbrochen wird. Simon Gietl und Vittorio Messini konnten dort Ende Jänner 2018, in drei Tagen, eine neue, bohrhakenfreie Route erstbegehen. Sie verläuft links des Mixedklassikers „Crazy Diamond“. Vittorio: „Nach drei Tagen harter Arbeit mit Schlaghaken, Hammer und Friends gelang uns eine der schönsten Mehrseillängen-Mixedkletterein, die wir je klettern durften!“
Beschreibung/Topo: www.bergsteigen.at

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40 Jahre Lassingfall: James Skone über die Erstbegehung der ersten Eiskletterroute in Österreich: „Vor 40 Jahren wurde bei uns der erste winterlich vereiste Wasserfall geklet-tert – wahrscheinlich. Vielleicht war man schon früher in anderen Gebieten aktiv gewe-sen. Aber mir ist davon nichts bekannt. Streng gesehen könnte man sagen, dass das Gaisloch auf der Rax seit jeher im Winter mit Pickel und Steigeisen geklettert wurde. Das war aber noch im klassischen Stil mit Stufenschlagen und Nutzung des Stahlseils (das Gaisloch ist ein gesicherter Steig). Auch wir begingen im selben Jahr vor dem Lassingfall eine direkte Variante des alten Gaislochsteiges: Soft Eis. Erich Lackner übernahm hier bravourös das scharfe Ende des Seils. Aber damit bewegten wir uns noch immer an einem „traditionellen“ Ort. Es war Zeit für neue Idee des Klettern und neue „Spielplät-ze“. Anfangs war es schwierig, geeignetes Gelände zu finden. Der Laie wird meinen, dass es ja in Österreich genügend Wasserfälle gäbe, worin läge dann das Problem? Also rich- tige WasserFÄLLE, wo das Wasser nur so herunter rauscht, bilden selten Eis. Das Eis, das wir benötigten, entsteht durch die Kombination von langen Kälteperioden und kleinen Rinnsalen. Das nächste Problem war, dass ich, in Wien lebend, mich am falschen Ende der Alpen befand. In den Tauerntälern hätte es sicher brauchbares Eis gegeben, aber das war für unsere ersten zaghaften Versuche zu weit weg. Also wo? Hans Wohlschlager schlug vor, dem Lassingfall in den Ötschergräben einmal einen winterlichen Besuch ab- zustatten. Das war im Dezember 1977. Ich hielt anfangs nicht viel davon, wie gesagt: Lassing – fall, das klang nach richtigem Wasserfall, also wahrscheinlich war eh kein Eis zu erwarten. Von Wienerbruck aus wateten wir, Krista, Hans und ich im Schnee an der Abbruchkante der Gräben entlang. Es hatte in den Tagen davor viel geschneit. Ich war ahnungslos, konnte mich nicht orientieren. Wie sollten wir zu den Fällen gelangen? Zum Glück kannte sich Hans besser aus. Irgendwo ging es dann steil hinunter. Ich würde den Ort sicher nie wieder finden. In meinem Inneren begannen kleine Warnlämpchen aufzu-leuchten. Viel Schnee, steil, da könnten wir schneller unten sein als vorgesehen – mit einer Lawine nämlich! Aber wir kamen wohlbehalten unten an. Ja, Hansis Vermutungen waren richtig, wir standen unterhalb des ersten Aufschwungs. Und der Wasserfall war vereist, doch auch sehr verschneit. Die Eisbildung war, da noch früh im Jahr, eher ober-flächlich und bestand aus Eisschildern und Eisröhren, unter denen Wasser rauschte. Aber die Kletterei war leicht, das Gelände nicht steil, so konnten wir auch in dem mat-schigen „Zeug“ stressfrei klettern. Durch das dauernde Buddeln im Schnee, um zum Eis zu kommen und die gelegentliche Dusche von der, hinterm Eisvorhang sprudelnden, Er-lauf, waren wir nach einiger Zeit ziemlich feucht und klamm. Es gab auch hier eine un-gewöhnliche „alpine Gefahr“, die Gumpen, vom Wasserstrom erodierte tiefe Felswan-nen – mit Wasser gefüllt und einer dünnen Eisschicht bedeckt. Noch dazu bot sich das ebene Gelände dort als Standplatz an –beim Canyoning im Sommer sicher ein Erlebnis, beim Eisklettern eine unfreiwillige Bademöglichkeit. Nach dem ersten Eisschild ging es von Gumpe zu Gumpe. Dazwischen immer kurze Eisaufschwünge oder kleine, leicht kletterbare Eissäulen. Einige Seillängen gingen in diesem Stil dahin, dann lehnte sich das Gelände zurück. Wir waren nass, die Seile gefroren und wie aus Stahl. Es war aber eine nette, spielerische Erfahrung gewesen. Nicht wie so mancher Adrenalintrip bei spä- teren Aktionen. Erst eine Weile danach dämmerte es mir, dass wir  damit vermutlich den ersten Schritt in eine neue Richtung des österreichischen Bergsteigens getan hat-ten.
Jahre später war ich mit Felix Kromer wieder am Einstieg des Lassingfalles. Wir hatten gerade Kelvin Lethal auf der gegenüberliegenden Schluchtseite zum ersten Mal began- gen – die erste Eisroute, in der zwei Bohrhaken im Sommer gesetzt worden waren, von Christian Enserer am Seil hängend, im Duschbad. Diesmal bestand der Lassingfall aus solidem Eis. Seilfrei stiegen wir hoch. Die Sonne schien, es war ein genussvolles Vergnü-gen nach der Schinderei im engen Spalt von Kelvin Lethal. Der Lassingfall war tatsäch-lich ein Meilenstein im Klettern. Ein kleiner zwar nur, ein Steinchen, aber er motivierte uns zu mehr. Danach wurden wir von Route zu Route sicherer und dreister. Mit verschie-denen Partnernch beging in den folgenden Jahren  über 40 neue Eisrouten in allen er-denklichen Gegenden Österreichs (und eine in der Schweiz). Viele davon wurden von mir nicht benannt oder dokumentiert. Die Erstbegehung des Glaspalasts in Klammstein mit Erich Lackner und Felix Kromer mit einem Biwak im Eis wurde 1980 vom ORF ge-filmt. Damals waren wir noch Freaks, kaum von der übrigen Klettererwelt wahrgenom-men. Es sollte noch einmal zehn Jahre dauern, bis, mit der bis dahin schon stark ver-besserten Eisausrüstung mehr Leute im Eis kletterten. Jetzt ist es laut Tourismuswer-bung ein „Trendsport“ geworden.“
James‘ Blog mit interessanten Beiträgen zum Thema (Eis)klettern: www.no-to-po.com

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image2„Amore di vetro“ Piz Badile
Schwierigkeit: 800 m, M5, R.
Erstbegehung von Marcel Schenk und Simon Gietl an der 800 m hohen NO-Wand des Piz Badile, 3303 m. Die beiden Extremkletterer starten am Nachmittag des 15. Nov. 2016 vom Val Bondasca Richtung Sasc-Furä-Hütte mit Schnee-schuhen und vollen Rucksäcken. Am nächsten Tag klettern sie schon beim ersten Licht über die untersten Felsstufen zum Einstieg der geplanten Route. Über einen Eisstreifen, der nur wenige Zenti- meter dick ist, führt der Weg ins Unbe- kannte. Das Anbringen von Sicherungen ist sehr schwierig und streckenweise un- möglich. Nach drei Stunden erreichen Marcel und Simon das Schneefeld in der Wandmitte, von dem ein wilder Eisstreifen steil nach oben zieht. Die Kletterei auf dem dünnen Eis bleibt anspruchsvoll und spannend. Gesichert wird mit Schlaghaken, Pecker und Keilen, die kurzen Eisschrauben sind zu lang und die Camalots lassen sich in den vereisten Rissen kaum platzieren. Da es manchmal nicht möglich ist, einen Stand zu bauen, klettern die Erstbegeher dieser Route bis zu 100 m lange Seillängen simultan – mit wenigen Zwischensicherungen. Gegen 15.00 Uhr erreichen sie den winterlichen Gipfel der gewaltigen Wand und freuen sich riesig über ihren Erfolg, bevor es über die Nordkante zurück ins Tal geht.
Quelle: www.simongietl.it und www.bergsteigen.at

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Erstbesteigung „FAHRENHEIT“, bei den Uttendorfer Grünseefällen
Zustieg: Im Bereich der Mittelstation Grünsee befinden sich im oberen Stubachtal, auf einer Seehöhe zwischen 1.800 – 2.000 m, Eisklettereien zwischen 100 und 220 m Höhe. Die Route „Eiswalzer“ befindet sich links von Fahrenheit, der Bereich der berühmten „Gläsernen Madonna“ rechts von Fahrenheit.

1. und 2. Versuch 31. 12. 2014 und 2. 1. 2015 Thomas Bubendorfer mit Lui Krenn bei Sturm und Kälte, Fertigstellung 18. 2. 15 mit Günther Göberl und Markus Pucher.

Je nach Schneeverhältnissen 3 bis 4 Seillängen:
1. SL: M5, WI 5+, schwierig abzusichern;
2. SL: M8 oder M8+ und WI6;
3. SL: M7-, sehr moralisch und fast nicht abzusichern.                         http://www.bubendorfer.com/?s=extreme

Fahrenheit Zustieg 31.12.14 Fahrenheit SL1_Jan.15 Fahrenheit-34 Fahrenheit & Eiswalzer Kopie Bubendorfer3_Fahrenheit