Sonstiges

Frauen, Österreich, USA, Himalaya/Buddhismus, Philosophisches …

Armin Strohmeyer                                                                                                                                Abenteuer reisender Frauen
304 Seiten, Piper-Verlag ISBN: 978-3-492-27431-9, € 10,30.
Ein Neuzugang in unserer Bibliothek, der sich als ideale Urlaubslektüre Zuspruch von unseren weiblichen und männlichen Mitgliedern verdient. Armin Strohmeyer, Germa- nist und vielbeachteter Autor von Biografien stellt hier 15 Frauen vor, die eines gemein- sam haben: Lebensläufe, in denen sie ihren „gesellschaftlich angestammten“ Platz an Herd und Familie zumindest zeitweise verlassen haben, um in anderen Ländern und Kontinenten ihren ÖAZ 1631, 07- 09/2016 141 Ambitionen und ihrer Neugier nachzu-gehen. Da wird von der dominikanischen Novizin Catalina de Erauso berichtet, die ihre Nonnenkleider gegen Männerkleider eintauscht und ein wildes Leben als Händlerin und Soldatin in Südamerika führt (bei dem sie so nebenbei sechs Männer erschießt und das vor 400 Jahren). Oder von zwei Frauen, die ein Leben als Freibeuterinnen auf einem Piratenschiff dem Alltag in der bürgerlichen Familie vorziehen. Oder der Wittelsbacher Prinzessin Therese von Bayern, die, um den Fesseln der Konvention zu entfliehen, als ambitionierte Forscherin, Malerin und Reiseschriftstellerin viel zur Kenntnis der Natur Südamerikas beiträgt. Die Wiener Weltreisende Ida Pfeiffer wird ebenso porträtiert, wie Mary Kingsley, die Abenteuer bei den Kannibalen Afrikas erlebt, oder Agatha Christie, die mit dem Orientexpress nach Bagdad fährt, oder Leni Riefenstahl, die sich nach ihren intensiven Verstrickungen in nationalsozialistische Machenschaften in den Sechziger- jahren der Fotografie in Afrika und den Stämmen der Nuba und Massai widmet. Die Geschichte der Dreharbeiten zu „African Queen“ gibt dem Autor Gelegenheit, sogar die persönlichen Eindrücke von Hollywoodstar Katharine Hepburn nachzuzeichnen.
Alles echt lesenswert !                                                                                                                           RW

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Cheryl Strayed
Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst
448 Seiten, gebundene Ausgabe od. Taschenbuch, 14.6 x 4.4 x 22.1 cm, ca. € 9.90 – 19.99, Kailash Verlag, ISBN-10: 3424630241, € 20,60 / € 10,30.
Cheryl Strayed, geboren 1968, biografisches Buch »Wild – Der große Trip« avancierte zu einem beispiellosen Erfolg in den USA und stand monatelang auf Rang 1 der deutschen Bestsellerliste. Es wurde mit Reese Witherspoon erfolgreich verfilmt.
Bei einem Einkauf fällt der Autorin zufällig ein Reiseführer über den Pacific Crest Trail Hand und sie bricht tatsächlich auf, um mehr als tausend Meilen zu wandern, durch die Wüsten Kaliforniens, über die eisigen Höhen der Sierra Nevada, durch die Wälder Oregons bis zur „Brücke der Götter“ im Bundesstaat Washington – allein, ohne Erfah- rungen und mit einem Rucksack auf dem Rücken, den sie „Monster“ nennt. Klapperschlangen und Schwarzbären, Hitze und Strapazen, packende Abenteurer und Einsamkeit sind Cheryl Strayeds Begleiter auf dieser Reise, die sie fast umbringt. Das atemberaubende Buch einer Selbstfindung – voller Witz, schonungsloser Ehrlichkeit und Intensität.                                                                                                                                                 gr

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Österreich

125 JAHRE ÖSTERREICHISCHER GEBIRGSVEREIN 1890-2015                                             Die Festschrift zum Jubiläum ist ein attraktiv gebundenes Buch mit 383 Seiten gewor- den. Dieser Umfang ist durch die Vielzahl der Beiträge, die Bruno Klausbruckner geor- dnet, koordiniert und zusammengefasst hat, begründet. Mit Recht nimmt die Geschich- te des Ö.G.V im Wandel von 125 Jahren, beschrieben von Mattias Hutter, einen breiten Raum ein. Es ist selbst für ein langjähriges Mitglied richtig spannend, die Entwicklung von den Anfängen über die verschiedenen Stationen bis heute nachzulesen. Matthias Hutter hat die bewegende Geschichte sachlich fundiert, offen, pragmatisch dargestellt und auch zu den dunklen Zeiten der Verpolitisierung, wie der Einführung des Arierpara- grafen und der deutschnationalen Schlagseite der Vereinsführung ab 1920 die histo- risch richtige Distanz gefunden. Von 1920 bis 1930 stieg die Mitgliederzahl auf das Vier- fache, ein Zuwachs von 10 Hütten ist zu verzeichnen. Ab 1926 gab es die Bergsteiger- schule, die den Teilnehmern eine umfassende Alpinausbildung im führerlosen Klettern bis zu Hochgebirgstouren anbot. Ausgeführt wurden diese Lehrgänge bis 1993 immer von Mitgliedern der Bergsteigergruppe, seither gibt es unter der Leitung von Erich Schuller die Alpinschule Peilstein.
Mit der Gründung der Bergsteigergruppe 1927 durch Hans Nemecek und Gefährten und dem Baubeginn der Goferhütte 1928, entstand ein Sammelpunkt außergewöhnlicher, leistungsfähiger Bergsteiger wie Fritz Kasparek, Hubert Peterka, Sepp Brunhuber,
Rudolf Fraisl, Fritz Hermann, die befähigt waren, an der Lösung der „letzten Probleme“ der Alpen mitzuwirken. Der 2. Weltkrieg erzwang eine starke Einschränkung der berg- steigerischen Aktivitäten, aber bereits 1947 konnten wieder Auslandsbergfahrten in die Pyrenäen und nach Chamonix unternommen werden. Die Anden-Kundfahrt 1954 unter der Leitung von Erich Waschak fand nach dem Absturz von Fritz Kasparek ein tragisches Ende. Aber der Blick in die Weltberge war geöffnet, schon 1961 war die österreichische–Karakorum Expedition, geleitet von Erich Waschak, am Mt. Ghent durch Wolfgang Axt erfolgreich. Es ist hier nicht Raum genug, um die zahlreichen Expeditionen des Ö.G.V. und der B.G. in die Weltberge von Südamerika in einem großen Bogen bis in den Hima- laya aufzuzählen. Bruno Klausbruckner hat überaus kompetent in einem großen Bei- trag alle Expeditionen, Trekkingfahrten und Abenteuerfahrten, an denen Ö.G.V.-Mitglie- der teilnahmen, beschrieben.
Andreas Ranet bezeichnet in seinem Beitrag den Peilstein als eine Hauptschlagader des Ö.G.V. – eine Feststellung, die genau trifft, was der Peilstein ist: Stützpunkt der Alpin- schule Peilstein, seit hundert Jahren Kletter-Paradies des Ostens. Leopold Landl, Fritz Hermann, Hubert Peterka waren die Wegbereiter der klassischen Periode, Kurt Schall, Felix Kromer die Leitfiguren der Sportkletterperiode. Felix Kromer hat in seinem Beitrag akribisch die Wende vom technischen Klettern der 70er Jahre zum cleanen Sportklet- tern mit allen Steigerungsstufen bis zum 11ten Schwierigkeitsgrad beschrieben. – Ein gewichtiges Element in der Struktur des Ö.G.V. sind die zahlreichen Fach- und Ortsgrup- pen, die das innere Leben des Vereines entscheidend mitgestalten.
Diese Festschrift ist mit ihren von zahlreichen Autoren mit Sachkenntnis und Genauig- keit geschriebenen Beiträgen und der hervorragenden Bildgestaltung für Ö.G.V-Mitglie- der zunächst spannender Lesestoff, im besten Sinne aber auch ein wichtiges Nach- schlagewerk für miterlebte alpine Zeitgeschichte über 125 Jahre im Österreichischen Gebirgsverein.
Medieninhaber, Herausgeber, Eigentümer: Ö.A.V. Sektion Alpenverein Gebirgsverein 1080 Wien. Bezug und erhältlich in der Geschäftsstelle des ÖGV, 1080 Wien, Lerchen- felderstrasse 28, Preis: € 23,00.                                                                                               Fritz Palkh

Jubiläen sind da, um gefeiert zu werden. Das hat der ÖGV im Herbst 2015 ausgiebig ge- macht und aus diesem Anlass unter der Koordination und Redaktion von Bruno Klaus- bruckner ein mehr als 380 Seiten starkes Jubiläumsbuch herausgebracht. Natürlich geht es darin um die vielfältige Vereinsgeschichte (Matthias Hutter), um besondere Ereignisse und bergsteigerische Leistungen. Besonders umfangreich und eine echte Fundgrube ist die Expeditionsgeschichte des ÖGV, sehr unterhaltsam die Anekdoten- sammlung. Felix Kromer und Arthur Kubista geben einen interessanten Einblick in die Entwicklung des Sportkletterns, einen wichtigen Platz nimmt auch der Peilstein als Kletterparadies und als Schauplatz des legendären „Peilsteinzirkus“ ein. Viele Vereins- initiativen (z.B. Bergsteigergruppe, Forum Alpin, Jugendarbeit), Ortsgruppen usw. werden ebenso vorgestellt, wie die bestehenden und einstigen ÖGV-Hütten. Auch für Nicht-ÖGVler ist diese Jubiläumsschrift absolut lesenswert. Der Österreichische Alpen- klub (dem zahlreiche ÖGV-Mitglieder angehören) gratuliert auch auf diesem Wege noch einmal herzlich zum Jubiläum.                                                                                                             RW

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Großglockner-Hochalpenstraße – Erbe und Auftrag
Am 3. August 1935 wurde die Großglockner- Hochalpenstraße für den Verkehr freige- geben. Nach der 2015 erfolgten Unterschutzstellung dieses einzigartigen Bauwerkes (einer „Visitenkarte Österreichs in der Welt“) nach dem Denkmalschutzgesetz erfolgte die Beantragung zum UNESCO-Welterbe.
Zum 80. Jahrestag der Eröffnung fand in der Residenz Salzburg ein Festakt statt, in dessen Verlauf die höchsten Vertreter der Bundesländer Salzburg und Kärnten einen Vertrag über die weitere denkmalgerechte Erhaltung dieser Straße unterfertigten. Im Zuge dieser Veranstaltung wurde auch ein umfangreiches Buch mit dem Titel „Großglockner-Hochalpenstraße – Erbe und Auftrag“ präsentiert: Auf 500 Seiten referieren 28 Autoren über alles, was man über dieses monumentale Hochgebirgs- bauwerk und die Landschaft, in die es eingebettet ist, wissen möchte.                                                                                                                                                                                                               a.m.

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Alpenvereins-Jahrbuch BERG 2016
Redaktion Anette Köhler, Tyrolia Verlag
Ein Klassiker, im wahrsten Sine des Wortes ist das gemeinsame Jahrbuch des Österrei- chischen, Deutschen und Südtiroler Alpenvereins. Nach wie vor ragt es durch seine inhaltliche Vielfalt aus dem breiten Angebot an Bergbüchern heraus. 2016 widmet sich das Hauptthema dem Karwendel. Durchkomponierte Stimmungsfotos von Heinz Zak und eine Themenauswahl vom Klettern über die Alpin- und Bergbaugeschichte bis zu einprägsamen Natur- und Wandererlebnissen zeigen die verschiedenen Facetten dieser ausgedehnten Gebirgskette. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe beschäftigt sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit dem Thema „Hütten im Gebirge“ und beson- ders mit der modernen Hüttenarchitektur. Natürlich kommen klassisches Bergsteigen, Sportklettern und alle anderen Spielarten der alpinen Betätigung nicht zu kurz und Nico Mailänders „Ursprünge des Freikletterns“ werden auch hier – wie bereits beim Abdruck in der ÖAZ 1625 und 1626 – für Diskussionsstoff sorgen. Auch die Biografien von „Bergmenschen“ zeigen ein breites Spektrum von der Extrembergsteigerin bis zum Schafhirten, in „Berg-Wissen“ lernt der Leser den Sagarmatha-Nationalpark am Fuße des Mount Everests ebenso kennen, wie archäologische Funde in Südtirol. Ein gut aus- gewogenes Jahrbuch, das viele Interessen anspricht und Wissen zu allen alpinen Belan- gen vermittelt.                                                                                                                                           RW

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USA

Robert Peroni
Kälte, Wind und Freiheit – Wie die Inuit mich den Sinn des Lebens lehrten
240 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Malik-Verlag, ISBN: 978-3-89029-452-0, € 23,70.
Bergsteigen, Expeditionen und die damit verbundenen Abenteuer waren immer schon Faktoren, die ein Leben verändern können. Einmal geschnuppert, wird schnell eine Lei- denschaft daraus. Dem Südtiroler Robert Peroni ging es nicht anders, zahlreiche große Gipfel auf allen Kontinenten, Erstbegehungen und mehr als 40 Expeditionen waren das Resultat dieser Leidenschaft. Die Begegnung mit Grönland und seinen Menschen verän- derten seine Ambitionen aber in eine ganz andere Richtung. Das Eintauchen in die Le- bensbedingungen der Inuit ging ihm so unter die Haut, dass er die Welt Welt sein ließ und in das kleine Dorf Tasiilaq an der Ostküste der Insel übersiedelte – in ein Land, von dessen Kultur, Sprache und Alltag er kaum etwas wusste. Mit großer Hochachtung be- richtet Peroni in diesem Buch davon, wie die Bevölkerung das harte Leben meistert und nun durch den Tourismus und die „Errungenschaften“ der Globalisierung vor neuen Herausforderungen steht. Nicht alle bewältigen diese Herausforderungen, und Peroni schuf mit dem „Red House“ eine neue Institution in dem kleinen Ort. Ursprünglich als bescheidenes, umweltverträgliches Quartier für Grönlandbesucher gedacht, in dem nur Einheimische arbeiteten, entwickelte sich daraus eine Anlaufstelle für alkoholsüchtige und suizidgefährdete Inuit. Ihm wurde bewusst, wie wichtig es vor allem für junge, orientierungslose Inuit ist, Arbeit und damit eine Perspektive zu haben. In dieser engen Beziehung lernte er selbst nicht nur religiöse Vorstellungen und alte magische Bräuche kennen, sondern erfuhr auch ganz andere Lebenseinstellungen unmittelbar am eige- nen Leib. Selbst schwer krank, erscheint sein Buch wie das Vermächtnis eines geläuter- ten alpinen Egozentrikers, der den Weg in ein ganz neues Leben fand. Hoffentlich noch für lange Zeit.                                                                                                                                             
RW

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The American Alpine Journal 2015
Wieder einmal liegt eine Sammlung ,heroischer‘ Bergtaten im wunderbar ausgestalte- ten „Heft“ (260 Seiten mit vielen Bildern) vor. Gleich zu Beginn prangt ein detaillierter Bericht über die erste freie Begehung der „Dawn Wall“ in der El Capitan SO-Wand von Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson (USA). Es sind 32 SL, bis 5.14d (ca. oberer 11. Grad lt. UIAA-Skala), geklettert in 19 Tagen. Im Internet sind weitere Fotos zu finden, auch von den unvermeidbaren, frei in Seilen schwingenden Fotografen.
Kombinierte Kletterei auf Fels und (oft sehr dünnem) Eis ist wirklich „in“. Zahlreiche Berichte folgen aus allen Ecken der Erde und von allen möglichen Nationen. Im Falle des Gasherbrum V (7147 m) handelt es sich auch um eine Gipfel-Erstbesteigung über die Südwand durch zwei Südkoreaner.
Über zum Teil verdammt dünnes Eis auf Felsunterlage führt eine neue Tour durch die ca. 1200 m hohe Nordwand von Mt. Johnson, Alaska, Erstbegeher zwei Amerikaner. Ähnlich auch die direkte Westwand (ca. 870 m) des 6000-ers Siula Chico, Cordillera Huayhuash,  Peru, erstbegangen von vier Franzosen.
Ein gelungenes Unternehmen, man könnte Expedition sagen, ist die Erstbesteigung des
letzten größeren, noch unbestiegenen Berges im patagonischen Inlandeis, Volcan Agui- lera mit 2428 m. Fünf Teilnehmer aus Chile, Argentinien und den USA (drei Frauen) mar- schierten mit Schi und Schlitten 47 km vom Lago Argentino südwestwärts, um den Gip- fel in 25 Stunden über die zerklüftete Nordflanke zu besteigen.
Auch ein Geschwindigkeitsrekord wird erwähnt. In 9:43 Std. rannte der Katalane Kilian Jornet Burgada vom Landeplatz am KahiltnaGletscher über die West Buttress-Route auf den Denali-Gipfel, dann fuhr er ca. 2 Std. mit Schi hinunter zum Start.
Den größten Teil des Journals füllen Kurzberichte mit Fotos über Bergsteigereien welt- weit, mit Schwerpunkten in Nord- und Südamerika sowie Asien. Auch die Alpen sind kurz vertreten, unter anderem mit der Meldung, dass Herve Barmasse (Italien) im Win- ter in 17 Stunden alle vier Grate des Matterhorns kletterte: den direkten Furggengrat hinauf, den Hörnligrat hinunter, den Zmuttgrat hinauf und den Liongrat hinunter.
Unter den Buchrezensionen findet sich „The Tower“ mit einer Chronik und den übli- chen Kontroversen um Cerro Torre-Besteigungen. Autor Kelly Cordes kommt nach lan- gen Recherchen wieder einmal zum ,unwiderleg-baren‘ Schluss, dass die behauptete Erstbegehung von Maestri-Egger 1959 so nicht stattfinden konnte (auch der Rezensent schließt sich dieser Meinung an). Angesichts der dünnen Eisschichten auf dem Fels, die heute beklettert werden, könnte man aller- dings auch ein milderes Urteil fällen. Ob- wohl, die heutigen Geräte und Technik sind doch ziemlich anders, und etwaige Spuren von alten Sicherungen wurden auch nicht gefunden. Nobody knows.                            SchP

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Buddhismus/Himalaya

Matthieu Ricard
Gesichter des Buddhismus
192 Seiten, Bildband in Schwarz-Weiß, Gebundene Ausgabe, 22 x 2,2 x 29,7 cm, Verlag
Frederking & Thaler; 1. Auflage 2016, ISBN: 3954162024, € 29,99
Matthieu Ricard – Molekularbiologe und Genforscher, buddhistischer Mönch und Über- setzer des Dalai Lama, lehrt praktischen Buddhismus und begleitet Menschen auf ihrem
Weg zur inneren Zufriedenheit. In seinem fotografischen Werk zeigt er buddhistische Impressionen in Schwarzweißbildern aus Tibet, dem Himalaya, Indien, Nepal und Indo nesien, die er über Jahrzehnte aufgenommen und selbst entwickelt hat. Die großforma- tigen Fotos von tibetischen Lehrmeistern, Einsiedlern, Nomaden, Mönchen, Kindern und osttibetischen Khampa-Frauen ermöglichen einen Blick auf das Leben und die Spiritualität.
Sie geben einen Einblick in den tibetischen Alltag und die Kultur bei Festen und Zere- monien. Meditative Stimmungen vermitteln die Landschaftsaufnahmen aus dem Himalaya und auch von Island. Ein einfühlsames Werk mit interessanten Texten, das Vieles erklärt, was buddhistisch Interessierte beschäftigt.                                                        GR

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Berg der Götter – Religionen am Kailash
144 Seiten, Format 135×205 mm, Zahlreiche Skizzen, Fotos in Farbe und Schwarzweiß,
Weishaupt Verlag, ISBN: 978-3-7059-0038-7, € 21,70.
Neben den vier großen religiösen Traditionen Asiens, bei denen der Berg Kailash in West-Tibet als heiligster Berg der Welt und anbetungswürdiger Wallfahrtsort gilt, wer- den auch andere östliche und fernöstliche Philosophien charakterisiert und beschrie- ben. Sehr detailreich, für Kultur- und religionsinteressierte eine Fundgrube fernöstlicher Zusammenhänge.                                                                                                                                      Ö.K

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Herbert Tichy: Die Wandlung des Lotos
Ein Indienbericht mit Illustrationen von Herwig Zens und einer aktuellen Analyse von Willi Germund, 330 Seiten, zahlreiche Abb., Hardcover, Neuauflage 2016 (1. Auflage 1951
Ullstein Verlag). Im Buchhandel oder bei Edition Sonnenaufgang/Verena Kienast, 1040 Wien, Schikanederg. 12/14 Fax: +43 1 115227243; Email: verena.kienast@aon.at – mvw.herbert-tichy.at; ISBN 978-3-9501591-6-5.
€ 28,60.
Nach einer Zeitspanne von 65 Jahren wirkt dieses Buch über weite Strecken noch im- mer erstaunlich frisch, und ist zusätzlich ein nostalgischer Lesegenuss. Tichy fand für seine Schau auf diesen Subkontinent mit seinen zahlreichen Widersprüchen, die sich bis in unsere Zeit erhalten haben – mit Saddhus und Atombomben, Weltraumfahrt und zerbröselnder Infrastruktur aus der Kolonialzeit – schon damals einen Blickpunkt außerhalb unserer eurozentrischen Weltsicht. Seine Zuneigung zur spirituellen und mystischen Seite Indiens verstellte ihm jedoch nicht den Blick auf die realen Unzu- länglichkeiten dieses Riesenlandes. Scharf beobachtet, ohne zu belehren, mit einem Schuss feiner Ironie versetzt, vermag die Lektüre selbst über das heutige Indien vieles zu erklären. Natürlich hat sich mittlerweile in sozialer und politischer Hinsicht etliches geändert, doch sind diese kurzen Jahrzehnte gegenüber einer mehrtausendjährigen tief verankerten Kultur – mit all ihren positiven wie negativen Aspekten – ein vergleichswei- se winziger Zeitraum. Gandhis gewaltloser Widerstand gegen die Kolonialherrschaft er- scheint als eine Episode, nach dem Ende der Nehru-Dynastie erwacht ein neuer Hindu-Nationalismus mit dem derzeit weltweit beliebten politischen Konzept, Inkompetenz durch nationalistisches Getöse vergessen zu machen. Das Kastenwesen wirkt trotz ge- setzlicher Abschaffung im Untergrund scheinbar unveränderbar weiter, und großartig ist die Studie über die in jedem Sinn zeit-lose indische Bürokratie: diese wird in der Ge- stalt des „Babu“ – des sowohl höheren wie auch des subalternen Beamten, der seine Macht gnadenlos auskostet – wohl auch noch das digitale Zeitalter überleben.        a.m.

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Philosophisches …

Edo Popović: Anleitung zum Gehen Originaltitel: Prirucnik za Hodace                                    176 Seiten, mit schlichten Farbfotos, gebundene Ausgabe, 13,9 x 2 x 21,1 cm, Luchter- hand Literaturverlag 2015, ISBN 978-3630873565, € 16,99.
„Beim Gehen werden wir die eigenen Schritte hören und auch den eigenen Atem und das eigene Herz, und wenn wir uns vollständig entspannen, werden wir auch unsere eigenen Gedanken hören“, schreibt der kroatische Autor in diesem poetisch-philoso- phischen Essay über das Velebit Küstengebirge, von der Suche nach der Ruhe in einer zu hektischen Zeit, und über uns, die wir wie Hamster im Laufrad rennen, so lange wir die Kraft dazu haben. Wer nicht beschleunigt, ist verdächtig. Popović schildert diesen ständigen Drang zur Selbstoptimierung, der uns in Automaten zum Verdienen und Ver- brauchen verwandelt hat. Seine klugen Texte zeigen, was wir tatsächlich brauchen, ist nicht mit Geld zu kaufen. Der Autor geht einfach drauf los, nimmt die Lesenden mit zu seinen Betrachtungen der Natur, lässt seine Gedanken schweifen. Ein ungewöhnliches Buch übers Velebit, das begeistert, wie eine wunderschöne Bergtour.                             GR

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