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Fritz Palkh, Alfred v. Pallavicini, Hubert Peterka, Heinrich Pfannl, Eduard Pichl, Karl Prusik, Ludwig Purtscheller, Piotr Pustelnik, Heli Putz …

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Fritz Palkh,

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Pallavicini, Alfred v. 2jpgAlfred v. Pallavicini, 1848-1886 (Gründungsmitglied des ÖAK 1878). Der Dragonerleutnant war „Sportsman“ nach britischem Muster. Er „zeichnete sich im Ungange durch feine, chevalereske Formen, durch ein gewinnendes, höchst liebenswürdiges Benehmen, durch einen offenen, geraden Charakter aus und erwarb sich dadurch herzliche Sympa-thien in allen Schichten der Gesellschaft“ charakterisierte ihn sein Freund und Tourengefährte Julius Meurer. Er zählte zu den stärksten Männern von Wien und soll auch an den da-mals beliebten Konkurrenzen der Gewichtheber und „Fassl-schupfer“ teilgenommen haben – selbstverständlich inkognito, denn solche die Adels-konventionen sprengenden Eskapaden wurden vor der Öffentlichkeit abgeschirmt. Hätte es damals schon eine Regenbogenpresse gegeben, wäre allerhand geschrieben worden über den Playboy oder Sportfreak Pallavicini. Dass er ein ausgezeichneter Pistolenschütze war, hat man für einen Leutnant ja gelten lasssen, aber der Kraftsport war in diesen Kreisen etwas für die „unteren Stände“, mithin Anrüchiges. Mit illustrer Ahnenreihe (Lombardei) und einer Verwandtschaft in bedeutenden Positionen ist man mit sportlichen Ambitionen gleich ein Exzentriker gewesen. Schon schlimm genug, daß der Herr Markgraf mit Bergführern oder gleichgesinnten (bürgerlichen!) Freunden vom Alpenklub dieser neumodischen Ver- rücktheit der „Hochtouristik“ nachging! Er unter-nahm anspruchsvolle Touren im gesamten Alpenraum (Montblanc, Zinalrothorn, Ober-gabelhorn), sowie mehrere Erstbesteigungen.
Seine bekannteste Route ist die nach ihm benannte Nordrinne zum Glocknergipfel (1876), mit den Führern Bäuerle, Kramser und Tribusser, welcher allein die Reihe von 2.500 Stufen anlegte. Wie immer gab es auch damals Leute, welche diese Besteigung anzweifelten, und lange Zeit wurde die Legende aufrecht erhalten, dass die Rinne zu schmal zum Führungswechsel sei. Es gab aber vorerst niemanden, der aus eigener Anschauung mit diesem Unsinn hätte aufräumen können: in den folgenden 48 Jahren ist sie nur zweimal wiederholt worden: 1899 von Viktor Pillwax (der veröffentlichte prinzipiell gar nichts über seine Touren) mit zwei Führern, und 1924 von Alfred Horeschowsky im Alleingang! Dabei waren ursprünglich administrative und materielle Gründe bestimmend gewesen: damals mußte jeder, der von Heiligenblut auf den Glockner stieg, drei Führer verpflichten – und Tribusser war der Einzige unter ihnen, der diesem Hack-Marathon mit fast achselhohem Pickel und sechszackigen Steigeisen gewachsen war. Heute ist die „Pallawatsch“ zu einer förmlichen Modetour geworden – nur hat sich mittlerweile auch der Berg verändert: infolge des Gletscherschwundes ist sie im späteren Sommer oft gar nicht mehr begehbar – als ideale Zeit hat sich das Frühjahr erwiesen oder die Zeit nach den ersten Schneefällen im Spätherbst.
1886: Zehn Jahre später verunglückte Pallavicini unweit der Stelle seines Triumphes mit drei Gefährten – dem holländischen Legationsrat Crommelin und den Führern Christian Ranggetiner und Engelbert Rubisoier – durch Wechtenbruch beim Versuch der ersten Überschreitung der Glocknerwand. Bis zuletzt bewies er noch eiserne Energie und Lebenswillen: Mit schwersten Verletzungen nach einem Zweihundert-Meter-Sturz schleppte er sich noch nahezu einen Kilometer weit unterhalb der Nordwände über den Gletscher talwärts, bis er am Rande einer unüberwindlichen Riesenspalte resignierend aufgab …

Erstbegehungen:
Großglockner, „Pallavicini“-Rinne, 18.8.1876, mit Führern Bäuerle, Kramser u.Tribusser;
Pala di San Martino, 1. Ersteigung 23.6.1878, mit Julius Meurer, Führern Arcangelo Dimai und Santo Siorpaes;
Königspitze, Suldengrat, 1. Begehung 6.7.1878 mit Julius Meurer, Führern Peter Dangl, A.u. J. Pinggera;
Kl. Bischofsmütze, 1. Ersteigung 1879, mit Heinrich v. Rumpler, Anton Posselt-Csorich, Führern Arcangelo Dimai und Santo Siorpaes;
Torstein, neue Route neben der Eisrinne, 3.9.1880, mit Heinrich v. Rumpler, Führern S. Höhenegger und M. Gamsjäger;
Turm (Hochschwab), 1. Ersteigung 20.6.1881, mit Führer Johann Schrempf („Auhäusler“) und Jäger F. Heißl.                                                                                                         a.m. in „Yetischmaus mit Seilsalat“, Schall Verlag

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Hubert Peterka,

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Pfannl 2 - KopieHeinrich Pfannl, der Doyen der „Führerlosen“
10.6.1870 Trumau bei Baden – 1.5.1929 Wien;                   Klubmitglied ab 1895, ÖAK-Präsident 1920-1929. Egal, ob man eine „Wiener Schule des führerlosen Alpinis- mus“ nur als nachträgliche Zuordnung betrachtet oder nicht – Heinrich Pfannl war einer ihrer typischen und für die Wiener schmeichelhaften Vertreter: ein eher unscheinbarer Herr, dessen Stärke von innen zu kommen schien und dessen Erscheinung alle erstaunte, die seinen bergsteigerischen Erfolgen zufolge einen hünenhaften Kraftmenschen erwartet hätten. – Sein Berufsleben verlief so geradlinig, wie es sich für einen k.u.k. Beamten geziemte: Gymnasium in Melk, ein Jus-Studium in Wien, 1894 Promotion zum Doktor der Rechte, Richter in Baden, dann in Wien und schließlich Vizepräsident des Landes-gerichtes Wien. Nach seiner Pensionierung (mit dem Titel eines Hofrats) war er noch Rechtskonsulent und der Firma Meinl. Seine bergsteigerisch aktive Phase dauerte nur sechs Jahre und endete 1902, als er nach Familiengründung (insgesamt drei Kinder) vom schärferen Bergsteigen Abstand nahm.
1895 verzeichnete er seine erste Neutour, die Loswandkamine auf der Rax. Schlüssel- stelle ist ein waagrechter Kaminspalt als Ausstieg. „Unter Benützung von Trittschlingen weist die letzte Seillänge die Schwierigkeit IV-, A1 auf; eine freie Erkletterung der Stelle ist möglich, aber weit schwieriger“, heißt es im Raxführer von 1982. Selbstverständlich hat Pfannl diese Passage frei erklettert. Er hätte gar nicht daran gedacht, künstliche Hilfsmittel einzusetzen – und dazu zählte in diesen puristischen Kreisen fast schon auch der der EB-Vorläufer, der geschmeidige Kletterschuh (im Gegensatz zu den schweren „Genagelten“). Pfannls Ehrgeiz ging dahin, letztere erst bei Schwierigkeiten um den heutigen dritten und unteren vierten Grad mit den leichten Patschen zu vertauschen. Mit einem Juristen und Staatsbeamten verbindet man üblicherweise einen abwägen- den und besonnenen Mann. Erstaunlich und widersprüchlich scheint darum bei manchen von Pfannls Touren eine Risikobereitschaft, die heute jedem Sicherheits-referenten Atemstockungen bereiten würden: große Erstbegehungen an kurzen Herbsttagen bei zweifelhaftem Wetter (Hochtor-Nordwand), bei Nebel (Ödsteinkar-wand), oder als „Verlegenheitstour“ bei Sturm und Regen (Tieflimauer-Westwand). Aber diesen Männern mangelte es eben nicht an der wahren, der inneren Sicherheit, welche die damalige rudimentäre „Sicherheitskette“ bei weitem aufwog. Und im Notfall konnten sie auf ihre hoch entwickelte Kunst des Abkletterns zurückgreifen.
1896 lernte Pfannl den wesentlich älteren Thomas Maischberger kennen. Dieser wurde zu seinem Dauerpartner – neben Zimmer, Keidel und Wessely. Diesem Quartett, durch ein zufälliges Zusammentreffen im Haindlkar gebildet, gelang am 11. Oktober 1896 die Erstbegehung des berühmtesten „Pfannlweges“: jenes durch die Hochtor-Nordwand. Und zwar in einem Stil, den später schon rein zeitmäßig nicht unbedingt alle Wieder- holer durchhielten: nach obligatorischer Nachtfahrt (!) um 6.30 Uhr Aufbruch in Gstatterboden. 8.30 am Einstieg. 12.30 Ausstieg aus der eigentlichen Wand in Höhe der Hochschütt, 15.00 Uhr am Gipfel. Die Schlüsselstelle, die „Maischberger Fassln“ wird heute mit IV+ bewertet. Haken wurde selbstverständlich keiner verwendet. Wenn diese Route auch derzeit in den alpinen Charts ziemlich abgeschlagen rangiert, galt sie doch jahrzehntelang als Nachweis für solides Können.                                                                         1900 löste das Trio Pfannl/Maischberger/Zimmer eines der ältesten Kletterprobleme der Alpen: die erste freie Erkletterung des Dent de Géant im Montblancgebiet. Mummery tat nach einem vergeblichen Versuch seinen klassisch gewordenen Ausspruch: „absolutely unaccessible by fair means!“. Nach fehlgeschlagenen Versuchen in James Bond-Manier (mit Rakete, die einen Anker mit daran befestigtem Seil zum Gipfel schießen sollte) betätigten sich die Italiener als Ferrata-Architekten: in mühe- voller Steinmetzarbeit brachten die Gebrüder Maquignaz Dübel zur Befestigung von Fixseilen an und leiteten damit wieder einmal eine Diskussion über das Ende des „echten“ Alpinismus ein. Da wurde es ein viel beachteter Erfolg, dass dann diese drei Wiener in zweieinhalb Stunden den Nordostgrat des Riesenzahns in ihrer bewährten Freikletter-Manier erkletterten. Zwei Tage später sind sie am größten Grat der Alpen unterwegs – dem Peutereygrat am Montblanc, der zuvor erst einmal begangen wurde. Ohne Führer, versteht sich!
Das Jahr 1901 versprach ein Höhepunkt von Pfannls Bergsteigerlaufbahn zu werden: er wurde von Oscar Eckenstein zur Teilnahme an der K2-Expedition unter Leitung von Aleister Crowley eingeladen. Es war eine internationale Gruppe von höchst verschie-denartigen Persönlichkeiten, und dies – so weiß man mittlerweile – kann nur selten gut ausgehen. Die alpinistischen Fakten: Pfannl, der wohl stärkste und erfahrenste der Mannschaft, erlitt ein Höhenlungenödem. Wessely und Guillarmod erreichten eine Höhe von 6700 m. Dessen Tagebuch offenbart, was in späterer Folge beinahe zur übli- chen Expeditions-Folklore zählte: Streitigkeiten, resultierend aus unterschiedlichen Charakteren, der physischen Enge in den ungemütlichen Lagern, dem mangelnden Erfolg und in diesem Fall der alles vergiftenden Anwesenheit des enfant terrible Aleister Crowley, eines Okkultisten und drogensüchtigen Egomanen. Abgesehen davon, dass damals schmutzige Expeditionswäsche keineswegs lustvoll in aller Öffentlichkeit gewaschen wurde, zeigte Pfannl darüber hinaus eine Seelengröße, die seinem Können am Berg entsprach. Von all die heillosen Zerwürfnissen erfährt man höchstens in angedeuteten Halbsätzen, und über allem Zwist steht dominierend der „Tschogo Ri“, der „Große Berg“, und er kann sogar glaubhaft machen, aus dieser äußerlich geschei- terten Expedition einen beträchtlichen inneren Gewinn gezogen zu haben.                            Vorausblickend erkannte er das Potential des Baltoro-Gebietes – heute ein Tummel- platz der internationalen alpinen Prominenz: „…und am Beginn des Baltoro-Gletschers steht eine große Gruppe von Felsbergen, deren Formen nirgends in der Welt, nicht einmal in den Aiguilles der Montblancgruppe, auch nur annähernd erreicht werden: die Dolomiten sind alternde Ruinen gegen diese Bastionen, in denen die Allmacht des Weltenschöpfers gleichsam ihre erste Jugendkraft zu Werken ewigen Glanzes gesam- melt hat, unberührt von allen Stürmen – herrlich wie am ersten Tag!“ Literarisch pflegte der Herr Hofrat überwiegend auf esoterischen Plateausohlen zu schreiten. Er fand stilvolle, gewählte Formulierungen, er hat, wie so viele seiner Zeitgenossen, seinen „Zarathustra“ durchaus studiert, und beschäftigt sich mit der hinduistischen Mystik. Nahezu vergessen ist sein Buch „Wenn Majas Schleier zerflattern“. Voyeure können sich umgehend wieder ausklinken: „Maja“ ist das Prinzip der altindischen Philosophie, welche unsere mit den gewöhnlichen Sinnen erfassbare Erscheinungswelt als Trugbild auffasst. Pfannls Gedankenstränge münden oft in einen dunklen und schwer verständ- lichen Bergmystizismus, welcher – neben zahlreichen anderen Komponenten – einer der geistigen Wurzelstränge einer verhängnisvollen Ideologie wurde (z.B.:„Arischer und semitischer Geist“). Am Berg wurde meist tief geschürft, gelacht offenbar so gut wie nie, und die einzigen Äußerungen in der Rubrik „Persönliches“ erwähnen einen „angegriffe- nen Magen“.                                                                                                                                               Pfannl starb 59-jährig an einem Leberleiden. Jahrzehntelang stand er gewissermaßen als unnahbare, verehrungswürdige Marmorstatue im alpinen Pantheon – und Statuen pflegen eben nichts von sich preiszugeben. Von Zeitgenossen gerühmt wurde seine Art des Vortrages: ganz der distinguierte Hofrat mit volltönender Stimme und druckreifer Sprache, die vor der Ära der Powerpoint-Shows Landschaften und Geschehnisse mit Worten bildhaft machen mussten. Vieles in seinen Texte werden einem heutigen Leser gestelzt vorkommen, doch immer wieder finden sich zeitlos-gültige Sätze als Destillat eines tief humanen Denkens: Als nach seinem Bruder, der bei einem Lawinenunglück auf der Rax ums Leben gekommen war, wiederum ein Freund am Berg starb,
„…klagte ich die Berge wieder an und meinte fortan, es sei töricht von mir gewesen und unreif, die Berge so zu lieben wie Menschen, da sie treulos seien und gefühllos. Und Jahrzehnte später weiß ich nun, dass dies die Tragik aller jungen Liebe ist: Daß sie den Gegenstand ihrer Sehnsucht nicht liebt, wie er ist, sondern wie er ihn träumt – und dann das Sein als treulos verklagt, weil es sich selbst treu blieb, nicht dem Bild, das unser Herz sich von ihm gemacht. – Dann erst ist Raum in uns für die große, freie, echte Liebe, die nicht mehr ins Selbstsucht sich selbst sucht in allem Geliebten, sondern Menschen und Dinge liebt, wie sie sind. Stark genug, sie zu tragen, nach ihrer eigenen Art.“                                                                                                                                                            „Letzten Endes finden wir immer nur uns selbst“.

Erstbegehungen und große Touren:
Rund 30 Anstiege in den Ostalpen, darunter:
1895 Loswandkamine (Rax)
1896 Hochtor-Nordwand
1897 Ödsteinkarwand-Nordwand
1899 Dirndl-Südwand
1899 Torstein-Südwand
1900 1. freie Erkletterung des Dent de Géant
1900 1. führerlose Begehung des Peutereygrates
1901 Reichenstein-Nordostwand
1901 Tamischbachturm-Nordwand                                                                                             Bücher: „Was bist du mir, Berg?“ 1929
„Wenn Maja’s Schleier zerflattern“                                                                                                       Aus: „Gesäuse-Pioniere“ (Hasitschka/Kren/Mokrejs) – Schall-Verlag

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Eduard Pichl, Alpenklubpräsident 1902-1903,

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Karl Prusik, Alpenklubpräsident 1939-1941, 1951-1953,

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Ludwig Purtscheller, Piotr Pustelnik, Heli Putz …

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