Dhaulagiri

Vortragsberichte

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30. November 2017 – Klubheim, Buchpräsentation des Schall-Verlages
Gertrude Reinisch/Christine Eberl: Grenzgänge rund um Österreich
Die Grenzlinie des kleinen Österreich berührt acht Nachbarstaaten, umfasst 2700 km so-wie eine außerordentlich breite Spanne von Landschaftstypen – vom Auwald bis zur Dreitausenderregion. Die Idee, diesem Grenzverlauf im Uhrzeigersinn zu folgen, wurde zu einer Entdeckungsreise in die Heimat, und ist schon von der Organisation her eher als „Expedition“ zu bewerten als manche mit diesem Prestigebegriff geschmückte kom-merzielle Bergbesteigung. 3800 km und 154.000 Höhenmeter in 143 Tagen (+18 Rastta-ge) wurden es letztlich, doch entscheidend sind weniger die dürren Fakten, sondern die Erlebnisfülle: Die Schwierigkeiten unerwartet wegloser Abschnitte, der Wechsel von menschenleeren Strecken zu touristischen Highways, die Begegnungen mit unter-schiedlichen Menschen, mit Tieren, Naturschauspielen – und vor allem den Launen des Wetters. Der Sommer 2014 mit überdurchschnittlich häufigen Regenperioden sowie der unveränderbare Zeitrahmen setzten auch den ambitionierten Teilnehmerinnen Gren-zen, und so wurde diese große Umrundung 2015 abgeschlossen. Zwei mit Lesungen un-terlegte Videoclip/Foto-Blöcke illustrierten in kompakter Form diese ungewöhnliche Unternehmung und machten wohl Lust auf zumindest etappenweise Nachahmung und den Erwerb dieses Buches, das neben wunderschönen Bildern, spannenden Erlebnis-berichten und Routenbeschreibungen auch umfassende Zusatzinformationen für Nicht-bergsteiger bietet!                                                                                                                                    a.m.

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16. November 2017 – Bezirksmuseum, Elisabeth Godai:
Totes Gebirge – recht lebendig!
Ein zutreffenderer Name für die öde Oberfläche dieses größten alpinen Karstplateaus ist kaum denkbar. Und die Vorstellung, sich hier auf Millionen Jahre altem Meeresboden zu bewegen, rückt die menschliche Existenz an ihren gebührenden Platz. Doch bildet die-ses, rings von Seen umgebene Massiv zugleich auch einen vielgesichtigen Lebensraum, für unsereins vor allem in Form von Tourenzielen: Da sind die großen Ski-Abfahrten wie Geisterwald, Loigistal, Sigistal, Dietlhölle. Die Ski-Überschreitung mit ihrer 60-km-Aus-dehnung vermittelt Expeditionsfeeling in fast polarer Einsamkeit – keine Kamera ver-mag den beklemmenden Eindruck dieser Weite zu vermitteln. Dann die Kletterklassiker: die Trisselwand, die lange Überschreitung vom Kleinen zum Großen Priel, das „Himmelreich“ am Tragl, der Pöschlkamin am Stubwieswipfel, und die monumentale Schermberg-Nordwand. Für Elisabeth Godai, aufgewachsen in Altmünster, ist dies, dem gesamten Jahreslauf folgend, ihre Bergheimat. Das wurde in ihrer, aus der Seele kommenden, beinahe druckreifen Art des Vortrages spürbar, untermalt vom raunenden, wissenden Murmel-Chor des Publikums: weil für jeden damit auch eigene Erinnerungen verbunden waren.   a.m.

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19. Oktober 2017 – Bezirksmuseum, Karl-Heinz Tschiedl:
Westalpen – les alpes occidental. Eine alpine Retrospektive
Westalpenbergsteigen – das bedeutet: nächtlicher Aufbruch, schwerer Rucksack, satte Höhenmeter, lange und oft komplizierte Abstiege – und entspricht damit nicht dem ak-tuellen Wunsch nach lockerem Ambiente und hohem „Fun-Faktor“. Dieser stellt sich am ehesten bei Skitouren ein, wie die Bildauswahl bewies. Wir erlebten eine hervorragend gestaltete Audiovisionsschau, mit allen technischen Finessen wie Panorama-Ansichten, eingeblendeten Satellitenaufnahmen und Karten anschaulich präsentiert. Neben viel besuchten „Pflichtzielen“ wie Matterhorn, Montblanc, Haute Route bewunderten wir auch weniger populäre, doch kaum minder große und anspruchsvollen Berge, wie die Gipfel der Vanoise. Genau fünfzig Jahre umfasste die Spanne der gezeigten Touren. Die Ausrüstung hat sich verändert, die Hütten, selbst die Berge, und natürlich auch die Menschen … Und viele der anwesenden Westalpenveteranen haben sich angesichts eigener trüber Erfahrungen verwundert und etwas neidisch gefragt: wie schafft man es, hier fast immer schönes Wetter anzutreffen?!                                                                              a.m.

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5. Oktober 2017 – Klubheim, Bruno Klausbruckner/Günter Andexlinger:
Vor 40 Jahren: Erstbesteigung des Mount Ghent II, 7. 342 m
1977 bricht eine Alpinistengruppe nach Pakistan auf: Bruno Klausbruckner, Günter Andexlinger, Wolfgang Axt, Günter Brenner, Hans-Peter Holat, Wilhelm Kury, Franz Pucher und Heinz Zimmermann. In neun Tagen per LKW nach Islamabad, dann weiter in die Kondus-Gruppe des Karakorum; alles ist selbst zu organisieren, es gibt noch keine Agenturen vor Ort. Seither ist die Welt vernetzter, doch in mancher Hinsicht infolge poli-tischer Verhältnisse wieder begrenzter geworden: am Siachen-Gletscher etwa belauern einander seit Jahrzehnten Tausende pakistanische und indische Soldaten. Das Höhen-bergsteigen aber ist unverändert geblieben: in erster Linie eine mühselige Transportar-beit, mit anschließendem Warten auf ein Schönwetterfenster, und dem Glückserlebnis des „Nachher“. Die alpinen Erfolge dieser Erstbesteigungen wurden aber überschattet vom tödlichen Spaltensturz des Expeditionsarztes Dr. Wilhelm Kury. Die vierzig, seit die-ser Besteigung vergangenen Jahre zeigen sich vor allem in der Berg- und Filmausrüs-tung, und unterstreichen die Leistung des Kameramannes Andexlinger, der damit den ersten Film von der Erstbesteigung eines Siebentausenders drehte.                                 a.m.

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14. September 2017 – Klubheim, Hüttenabend im Alpenklub
„… der Summer is aussi“ – wie extra zur musikalischen Einleitung der Herbstsaison engagiert, fegte eine Sturmfront durch Wiens Gassen. Rund 30 Sangesfreudige hatten sich eingefunden, stimmführend wie immer die Damen, während der Herrenchor Be-gleitendes dazu brummelte. Motor des Ganzen war Reinhard Wolf mit Akkordeon und Gitarre – hätte er nicht bereits einen Traumjob als ÖAK-Bibliothekar, könnte er ohne weiteres als Szene-Heurigenwirt reüssieren. Sepp Streicher unterstützte ihn als Gitar-ren-Solist. Selbst wenn „Hüttenzauber“ oft schon zur All-inclusiv-Sauf-Folklore verkom-
men ist – von diesem Abend blieb eine herzerwärmende Erinnerung an frühere „echte“ Hüttenabende zurück.                                                                                                                       a.m.

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16. März 2017 – Bezirksm., Adi Mokrejs: Die schönsten Berge der Welt – v. Kahlenberg z. Dachstein – u. hinter den Horizont, eine Bilderreise durch Zeiten u. Landschaften
Natürlich haben es die Vortragsbesucher bei diesem Untertitel schon geahnt: mit dem, was man beim Googeln unter „Schönste Berge der Welt“ fndet, hat ein Vortrag von Adi, unserem Vortragsleiter, nicht allzu viel gemeinsam – obwohl … Also, um es gleich vorweg zu sagen: natürlich kamen auch die Ama Dablam, die gewaltigen Torres am Südende der Welt und das Matterhorn vor, aber die Hauptrolle spielten sie nicht! Die übernahmen „unsere schönsten Gipfel“ – immerhin verfügen wir nicht nur über ein eigenes Matterhorn – das sich, wie uns der Vortragende zeigte, mit dem Mountainbike bis 8 m unter seinen höchsten Punkt befahren lässt – sondern auch über einen Glock- nergrat und einen Cimone. Und vor allem stehen bei uns Schneeberg, Rax, Ötscher, Hochschwab und Gesäuse – wie sollte man da einen Lokalpatrioten davon überzeugen, dass das nicht die schönsten Berge der Welt sind? Adis köstliche und immer wieder überraschenden Wendungen zeigten uns erst so richtig, wie subjektiv die Wahr- nehmung ist: auf Bilder von gewaltigen Himalayawänden folgten winterliche Gesäuse- und Schneealmflanken, die sich kaum voneinander unterschieden. So wurde es nicht nur eine wunderschöne und stimmungsvolle Bilderreise über Kontinent-Grenzen hinweg, sondern tatsächlich auch durch die Zeiten – vom Bulinknoten bis zur trendigen Outdoor-Bekleidung, vom dunkelbärtigen Dachsteinkletterer bis zum gemütlichen Vor- alpenwanderer, von der sportlichen Raddurchquerung des Monument Valleys bis zur Freude an den Herausforderungen, die man sich selbst setzt – auch wenn sie nur „ums Hauseck“ liegen. Wahrscheinlich haben auch andere Besucher den Vortrag ähnlich empfunden wie ich: als Liebeserklärung an die Berge und die Spielplätze unserer Bergleidenschaft, als Lebenselexier von der Jugend bis ins Alter. Wie schön, dass es Adi gibt, der uns das hier wieder einmal humorvoll, hintergründig und mit wunderbaren Stimmungsfotos vor Augen führte.                                                                                                      RW

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16. Feb. 2017 – Bezirksmuseum, Wolfgang Ladenbauer:                                             Schamanen in Ost-Tibet Traditionelle Blutopfer-Rituale für die Berggötter
Seit Beginn menschlicher Kultur sucht das Menschenwesen nach einem Mittler zwi- schen sich und den höheren Mächten, welche wohlwollend gestimmt werden müssen – in Tibet als Götter in Gestalt der Berge. Blut ist ein ganz besonderer Saft – das wusste schon der alte Geheimrat Goethe, und lange vor ihm, in vor-buddhistischen Zeiten, die Schamanen der BönReligion. Dieses Blut-Ritual, in dieser Form nur noch in wenigen Regionen Ost-Tibets praktiziert, ist ein authentischer Bestandteil des Jahreslaufes ge- blieben und trotz zunehmender Touristenzahl noch nicht zum Folklore-Abend verkom- men. Es besteht im Ritzen der Stirnhaut und dem Durchstechen der Wange. Eine „Des- infektion“ erfolgt durch einen Schnaps (vermutlich eine Art Brennspiritus), den der Schamane aus dem Mund versprüht. Eine fremde Geisteswelt – und doch in gewisser Weise menschheitsübergreifend: die Monotonie der Rassel-Trommeln, der Trancezu- stand des „Außer-sich-Seins“ etwa fnden ganz entfernte Parallelen im Disco-Betrieb der
aufgeklärten Westler. Mit Zurückhaltung, Interesse und Respekt fndet man wie Wolfgang Ladenbauer Zutritt zu dieser Welt, und darf sich dann auch, den Einheimi- schen gleich, die Wange durchstechen lassen: ganz schön mutig für einen Mediziner! a.m.
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2. Feb. 2017 – Klubheim, Otto Sanz: Wie doch die Zeit vergeht …
Klettern zwischen 1960 und 1990, von der Rax bis zum Yosemite
Als Tourist in die eigene Jugend: Das erste Foto zeigte die Haidsteig-Madonna, flankiert von Otto Sanz und Josef Kaiser, offenbarbar als Komparsen einem Trenker-Film ent- stiegen. Auf dem letzten Bild: Otto in längsgestreifter Lastex-Hose, körper-verschraubt in einem teuflischen Offwhidt-Riss im Yosemite. Dazwischen 25 Jahre alpinistischer Evolution, ein Abriss der (Wiener) Alpingeschichte zwischen den Sechziger- bis zu den Achtzigerjahren, die einmal sicher als „gute alte Zeit“ gelten werden. Das Tourenreper- toire umfasste zahllose Klassiker, von den Blechmauer-„Hämmern“ über Dachl-Ver- schneidung, Via delle Guide am Crozzon bis zur Hasse-Brandler an der Gr. Zinne, von der Wiesbachhorn-Nordwest bis Ortler-Nordwand und Gervasutti-Couloir. Die Touren- gefährten bildeten eine Art ÖAK-Familienalbum: u.a. Herbert Novy, Alfred Kapfenberger, Thomas Bubendorfer, Hans Ganzberger – sowie etliche, die uns schon verlassen haben, wie Helmut Hendl, Peter Holl oder Paul Gschwandl. – Kleine Unschärfen, Kratzer oder Überbelichtungen mancher Fotos bildeten einen sympathischen Kontrast zur üblichen durchkomponierten Kalenderbild-Perfektion.                                                                              a.m.
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19. Jan. 2017 – Bezirksmuseum, Helmut Chorvat: Kuba
Lässt sich die Zeit zurückdrehen? Oder zumindest ein wenig anhalten? In Kuba scheint es so. Havanna mit dem morbiden Charme seiner bröckelnden Kolonialzeit-Fassaden, den mühsam intubierten alten Ami-Schlitten, Rum, Zigarren und Musik (vor dem inne- ren Auge erwachen die mitreißenden alten Herren des „Buena Vista Social Club“ zum Leben) – und von Plakat- und Hauswänden blickt „Che“ Guevara als eine Art National- heiliger hoffnungsfroh in die revolutionäre Zukunft. – Helmut Chorvat hat die nötigen politischen Anmerkungen auf das Minimum beschränkt und sich der Kultur sowie dem Wandern in der reichhaltigen, in der karibischen Atmosphäre überquellenden Natur in diesem augenfällig „bunten“ Land gewidmet. Nach der Besteigung des höchsten Ber- ges der Sierra Maestra (kaum Schneeberghöhe) folgte ein Zweitausendmeter-Abstieg direkt zum Meer, zu herrlichen Stränden ohne TausendBetten-Burgen. Dies könnte sich aber bald ändern: samt allen positiven wie negativen Konsequenzen. Und dann werden die alten Kubaner wohl räsonieren: „Unterm Fidel hätt‘s des alles net‘geben!“            a.m.
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12. Jan. 2017 – Klubheim, Gerhard Riepl: Yukon Quest
Das 1000-Meilen-Langstrecken-Hundeschlittenrennen zwischen Whitehorse in Kanada und Fairbanks in Alaska hat innerhalb dieser Disziplin einen Stellenwert wie im alpinen Skisport das Hahnenkammrennen. Ein ähnliches Spektakel für Teilnehmer wie Zu- schauer, wobei in dieser dünn besiedelten Region ein paar hundert Zuschauer bereits eine ungeheure Menschenmasse darstellen. Auf rund 1600 km Streckenlänge, über vier hohe Pässe sind in dieser feindlichen Umwelt genaue Regeln und Sicherheitsvorkeh- rungen sowie eine umfangreiche, aufwändige Logistik nötig. Grundbedingung ist, dass der Musher mit seinem Team als eine „sich selbst genügende Einheit“ außer an den Kontrollpunkten keinerlei fremde Hilfe in Anspruch nehmen darf. Die wirklichen Stars, um die sich alles dreht, sind daher die Hunde! Gerhard Riepl war einerseits als Zu- schauer unterwegs, doch konnte er auch als Amateur auf einem Hundeschlitten die Weite und Leere der arktischen Landschaft erleben. Es müssen ja nicht gleich 1000 Mei- len sein.                                                                                                                                                                 a.m.

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1. Dez. 2016 – Klubheim, Univ.-Prof. Dr. Manfred Buchroithner:
Abenteuer Hochgebirgs-Kartografe – 40 Jahre in den Bergen der Welt
Anhand eindrucksvoller Videofilme war eine geglückte Verschmelzung von Alpinismus
und Berufsleben nachzuerleben, 1975 mit einer Forschungsexpedition in den afghani- schen Hindukusch beginnend. Ursprünglich Geologe, wandte sich Buchroithner zuneh- mend der Kartografe zu und übersiedelte 1992 nach Dresden, wo er zuletzt Direktor des Instituts für Kartografe an der Technischen Universität war. Gezeigte Highlights seiner weltweiten Tätigkeit: in Chile die Erstellung einer Alpenvereinskarte des Ojos del Sala- do, später einer Wanderkarte für ein neues Tourismusgebiet; in Nepal (Solu Khumbu) die Dokumentation des Gletscherrückganges. – Anschaulich erschloss sich die Entste- hung einer Landkarte, von der Bronzezeit der Kartografe in die neue Welt der Bildpunk- te und der Satellitenaufnahmen, in der aber nach wie vor der Arbeit im Gelände we- sentliche Bedeutung zukommt. Schließlich das Neueste: „echtdreidimensionale Visua- lisierung raumbezogener Information“. Konkret etwa ein digital begehbares Modell eines Höhlensystems in Borneo, oder eine metergenaue digitale Dachstein-Südwand, die als Leitsystem Bergrettungseinsätze bei Nacht und Nebel ermöglicht. – Dass unsere Klubräume analog, also „in echt“ scheinbar immer kleiner werden, ist aber keine sub- jektive Fortschreibung des Editorials der vorigen ÖAZ, sondern der erfreulichen Anzie- hungskraft der Themen und Vortragenden zu danken!                                                           
a.m.

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25. Nov. 2016 – Klubheim, Buchpräsentation „Kleiner Mensch auf großen Bergen“
Kurzfristig und außerhalb unseres Programmschemas angesetzt, doch sehr gut be- sucht, war die Präsentation dieser Neuauflage von Karl Lukans Erstlingswerk, das nach mittlerweile sechzig Jahren zu den alpinen Klassikern zählt. Nach einer kurzen einlei- tenden Betrachtung von Adi Mokrejs über dieses Schlüsselwerk der alpinen Erlebnis- literatur zeigte Fritzi Lukan mit einer kleinen Bilderserie einige Höhepunkte aus ihrem langen gemeinsamen alpinen Lebensweg mit Charly. Sie hat diese Neufassung mit einem eigenen Kapitel und zusätzlichen Fotos erweitert, und darüber hinaus (was sie hier nicht erwähnte) bedeutenden Anteil an seinen sämtlichen Büchern, deren Bleistift-Manuskripte sie auf der Maschine abgetippt hat! – Es ist dem Kral-Verlag und seinem Leiter Robert Ivancich zu wünschen, dass diesem Werk ein ebensolcher Erfolg wie seinem Vorgänger beschieden sein möge! Mit Signierstunde, zahlreichen neuen Gästen, angeregten Plauderrunden und immer weiter aufgeschobener Sperrstunde wurde dieser Abend dem Begriff „Klub“ im besten Sinn gerecht.    a.m

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17. Nov. 2016 – Bezirksmuseum, Wolfgang Nairz:                                                                              Es wird schon gut gehen – Berge und andere Abenteuer meines Lebens
Erster Vortragsteil: eine Reminiszenz an die goldene Himalaya-Ära der 70er- und 80er- Jahre, als die Achttausender Revier des alpinen Hoch-Adels waren. Die Everest-Expe- dition 1978 verlief geradezu lehrbuchmäßig: Nairz und fast das gesamte Team stehen als erste Österreicher auf dem Everest-Gipfel. Hinzu kommt die legendäre „erste sauer-stofflose“ Besteigung durch Messner/Habeler. Doch im großen Spiel des Höhenberg- steigens sind es nicht die Alpinisten, welche die Regeln bestimmen: Am Manaslu blei- ben zwei Teilnehmer im Schneesturm verschollen, und in der Eislawine am Cho Oyu liegt zwischen Tod (Reinhard Karl) und Leben genau die Breite eines Schlafsackes. Nach dieser riskanten Phase widmet sich Nairz einer weiteren Passion – dem Ballonfahren, zwischen Alpen und Mongolei. Doch hauptsächlich zieht es ihn nach Nepal, insgesamt rund 80 Mal, vielfach zur Unterstützung des „Sherpa-Projektes“: Ausbildung auf öster-reichischen Schutzhütten. – Zweiter Vortragsteil: „Nepal nach dem Erdbeben 2015“. Schnelle Hilfe wurde geleistet, an einer überforderten Bürokratie vorbei, noch dazu total transparent: Jedes Blechdach-Element, jede Rupie, verteilt durch vertrauens-würdige örtliche Gewährsleute unter den Augen aller Dorfbewohner, ist genau doku- mentiert! Berührend die Dankbarkeit in den Gesichtern der Menschen, deren ärgste Not rasch gelindert werden konnte. – Insgesamt ist dies wohl genauso imponierend wie die Besteigung hoher Gipfel!                                                                                                                       a.m.

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3. Nov. 2016 – Klubheim, Fritzi Lukan: Kurioses und Amüsantes aus Niederösterreich Über Jahrzehnte waren Fritzi und Karl Lukan in vermeintlich wohlbekannten Gebieten unterwegs und haben auf ihren Streifzügen den Beweis erbracht, dass Entdecker-freuden nicht unbedingt von der Distanz ab Wohnort abhängig sind: Wenn die Reise in die Tiefe der Geschichte führt, von den Kelten bis zum frühen Industriezeitalter, öffnen sich hinter jeder Fassade Türen zu immer neuen Geheimnissen. Manche der an diesem Abend gezeigten Kuriositäten, wie etwa Wackeloder Durchkriechsteine (meist uralte, später christianisierte Kultstätten), sind augenfällig und einfach erreichbar. Hingegen waren drei Versuche nötig, um die Kartäuserhöhle bei Gaming mit ihren Inschriften aufzuspüren – und die Freude über diesen Erfolg entsprechend groß. In die Kategorie „Industriedenkmäler“ fallen der Wiener Neustädter Kanal, der Wien mit dem Hafen Triest (!) verbinden sollte, das schlossähnliche Anwesen des einstigen Kohlengruben-besitzers Perl im Talschluss des abgelegenen Purbachgrabens bei Muggendorf, oder der erste Tunnelbau der Alpen, der Hubmer-Stollen unter dem Preintaler Gscheidl bei Hinternasswald. Wem einmal die alpinen Ziele ausgehen sollten, der findet auf dieser historischen Ebene ein überreiches Betätigungsfeld.                                                               a.m.

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20. Okt. 2016 – Bezirksmuseum, Dr. Ewald Huber: Über Berge und Gefühle
Von der Eiger-Nordwand, dem Shisha Pangma und anderen Erfahrungen
Ewald Huber – Arzt, Bergführer, Spross einer steirischen Bergsteigerdynastie und schon pränatal alpin geprägt (bereits im Mutterleib auf dem Matterhorn!) ging, nach einem Überblick über seinen persönlichen Werdegang, in erster Linie auf die emotionale Ebene des Alpinismus ein. Von den heimatlichen Gesäusebergen, zwischen Kl. Buch- stein und der „Dachl-Komplizierten“, über die Eiger-Nordwand bis zum Achttausender Shisha Pangma – immer wieder tauchte die Frage nach dem Sinn auf. Warum dieses freiwillige Sich-Ausliefern an eine Sphäre, die eigentlich pure Lebensfeindlichkeit ver- körpert? Es ist wohl dieser höchste Kontrast zur Zerbrechlichkeit menschlicher Existenz, gekoppelt mit dem Dreiklang von Strapaze, Risiko und Angst (als steuerndem Regula- tiv), der als Lohn dafür Momente intensivsten und bewussteren Lebens hervorbringt. Sind Extrembergsteiger, welche gleich Süchtigen immer wieder nach diesem Zustand streben, eigentlich „normal“? Hingegen: Was ist schon normal? – Eine Existenz in fort- dauerndem lauem Gleichmaß? Ein großer Bergsteiger prägte das Wort: „Wo der Spaß aufhört, beginnt der Alpinismus.“ Ein Abend zum Mit- und Nachdenken – haben doch schließlich alle diesbezüglich ihre eigenen Erfahrungen!     a.m.
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6. Okt. 2016 – Klubheim, Kurt Bender: Patagonien
In die wunderbaren Landschaften Chiles entführte uns der Vortragende an diesem Abend. Beginnend mit Aussichten vom Cerro Santa Lucia und dem Cerro San Christóbal auf die Hauptstadt Santiago (in der nahezu die Hälfte der Bevölkerung lebt) wurden die Besucher rasch in den chilenischen Süden geleitet. Die Kombination von See- und Vulkanlandschaften machen den Reiz der Region zwischen Temuco und Puerto Montt aus. Der Versuch, den bekannten Vulkan Villarica zu besteigen, wäre beinahe am Massenansturm und an den Schneeverhältnissen gescheitert, aber nachdem alle Führerpartien ohne Gipfelerfolg wieder abgestiegen waren, wurde eine stille Stunde am Kraterrand – dank Erfahrung und Geduld – doch noch möglich. Höhepunkte jeder Reise in den chilenischen Süden sind natürlich die kalbenden Gletscher am Perito Moreno und die atemberaubenden Ausblicke auf die Torres del Paine und zu den Granitriesen Fitz Roy und Cerro Torre, die Kurt Bender in ausgezeichneten Fotos und unterschied- lichsten Stimmungen zeigen konnte. Interessante Erzählungen u. Bilder über das Leben der indigenen Bevölkerung, von Riesenfaultieren u. Reitausflügen machten wohl allen Besuchern Lust auf eine Begegnung mit dem „längsten und schmalsten Land der Erde“.                                                                                                                                                               RW

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8. Sept. 2016 – Klubheim, Hüttenabend im Alpenklub
Zu einem richtigen Hüttenabend gehören neben Gesang und Umtrunk auch Hütten-spiele, die meist in einer Aktion gipfeln, welche ein ahnungsloses Opfer durchnässt oder geschwärzt oder sonst wie dem allgemeinen Gelächter preisgibt. Von derlei rusti- kalen Aktionen wurde bewusst Abstand genommen: diesmal ging es darum, den eige- nen alpinen Wissensstand zu testen. Reinhard Wolf hatte sich enorme Mühe gemacht, um in Form einer Powerpoint-Präsentation ein alpines Bilder-Quiz mit teilweise ziem- lich kniffligen und überraschenden Fragestellungen zu gestalten. Berge, die jeder zu kennen meint, wirken aus ungewöhnlicher Sicht völlig fremd, berühmte Alpinisten werden jenseits der gewohnten ikonografschen Darstellung (Buhl nach dem Nanga Parbat, Lammer mit Zwicker und gesträubtem Bart) nicht erkannt… Zu gewinnen gab es nichts – außer der Erinnerung an einen kurzweiligen, unterhaltsamen Abend, den Reinhard zusätzlich als Ein-Mann-Orchester musikalisch umrahmt und aufgelockert hat, unterstützt durch ein redlich bemühtes Alpenklub-Ensemble!                                    a.m.

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17. März 2016, Bezirksmuseum: Herbert Raffalt
Dachstein/Tauern – Zauber und Mythos einer Landschaft
Die Dachsteinlandschaft muss man in unseren Kreisen nicht vorstellen. Für viele ist sie Teil ihrer Bergheimat, wie schon das Hintergrundrauschen des Abends bewies: die ge- flüsterten Versicherungen der Zuschauer an ihre Nachbarn, dass sie dort auch schon gewesen wären. Aber so werden das Gebiet die wenigsten jemals gesehen haben: was dem einen oder anderen als fotografischer Tausendguldenschuss seines Lebens gelang, war hier als eineinhalbstündige Abfolge von meisterhaften Kalendermotiven und Titel- fotos zu bewundern (Raffalt besitzt offensichtlich die Fähigkeit, Wolken und Beleuch- tung für die perfekte Bildkomposition nach Belieben anordnen zu können). Die Präsen- tation folgte einer gekonnten Dramaturgie: dem Jahreszeitenlauf als Grundmotiv, ver- woben mit dem Perspektivenwechsel von Dachstein Süd- und Nordseite, sowie zusätz- lich mit dem Kontrast zur gänzlich anders gearteten Tauernlandschaft. Dazu der Span- nungsbogen der Erlebnisebenen: vom Hexenkessel der Schladminger „Night Race“ mit 50.000 Zuschauern bis zur arktischen Einsamkeit auf dem Dachsteinplateau, vom Alm- spaziergang bis zur Vertikal-Artistik, vom Tourismus-Halligalli bis zu echtem traditionel- len Brauchtum. – Im Laufe des Vortrages zitiert Raffalt den Dachsteinforscher Simony, der nach einer Nacht auf dem Dachsteingipfel schrieb, dies sei der schönste und erha- benste Moment seines Lebens gewesen … Dies wäre in diesem Zusammenhang viel- leicht ein wenig zu dick aufgetragen. Aber nur ganz wenig: Ein Ereignis!                        a.m

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18. Feb. 2016, Bezirksmuseum: Peter Wörgötter
Manaslu 8.126 m – Die erste Ski-Besteigung eines Achttausenders
Frühjahr 1981: Peter Wörgötter gelang gemeinsam mit Sepp Millinger die Skibesteigung des Manaslu – ein Markstein des Höhenbergsteigens. Für Achttausender wurde damals nur je eine Genehmigung für Vor- oder Nachmonsunzeit erteilt, erst nach bürokrati- schem Hürdenlauf konnten die Beiden als MiniGruppe in einer offiziellen Expedition unterkommen. Der Film war eine Zeitreise in ein – abgesehen von den Zerstörungen durch das Erd- beben im April 2015 – nicht mehr existierendes Nepal: beispielsweise ein Kathmandu fast ohne Touristen. Aus den Sequenzen des langen, der Höhenanpassung förderlichen Anmarsches spricht eine tiefe Zuneigung zu den Bewohnern dieser abge- legenen Täler und ihrer über Jahrhunderte unveränderten Lebensweise. Zum mühsa- men Aufbau der Lagerkette kam zusätzlich die Filmarbeit mit der 8-mm-Kamera, mit Röllchen für je zweieinhalb Minuten – und bis auf die Abfahrtsszenen (logisch!) alles von Peter gedreht. – Zuletzt das Glück der Tüchtigen: Nach Schneefällen, den Monsun im Genick, schließlich am Gipfeltag Prachtwetter: wann je hat man Achttausender-besteiger am Gipfel im Pullover gesehen? Und dann die Krönung: die beim Anmarsch bestaunten und zeitweise hinderlichen Ski wurden wenige Meter unterhalb des Gipfels angeschnallt! Die Abfahrt, anfangs durch das karge Sauerstoff-Angebot etwas stockend, wurde mit abnehmender Höhe immer flüssiger und zuletzt ein wahrer Firn-Rausch. „Ein wenig wie der Stubacher Sonnblick“ hatte Peter während des Aufstieges über die Gipfelregion gesagt – und genauso mühelos sah dieses Schwingen im Film aus. Doch davon lasse sich niemand täuschen: dazu muss man schon „ordentlich beinand‘“ sein!                                a.m

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7. Jan. 2016, Klubheim: Sivia Kleedorfer, Otto Sanz
Neuseeland – Eine Reise ans andere Ende der Welt
Am anderen Ende der Welt, nach 18.000 Kilometern, heißt es spiegelverkehrt denken: Sommer und Winter sind vertauscht; die beiden Inseln (flächenmäßig rund drei Mal so groß wie unser Land) erstrecken sich über rund 1600 Kilometer Luftlinie – die Südinsel ist die kühlere (eh klar: der Antarktis näher!) Sie besitzt auch die höheren Gipfel (Mt. Cook, 3.723 m), welche von mächtigen, meist ungeheuer zerrissenen Gletschern um- geben sind. Selbst das Auge eines diesbezüglich geübten Bergsteigers verfällt da auf der Suche nach theoretischen Aufstiegsmöglichkeiten in ein ratloses Zwinkern und erfreut sich lieber an den grandiosen Anblicken während eines Rundfluges. Nicht von ungefähr hat Everest-Legende Edmund Hillary die Grundlagen für seinen Erfolg in die- ser harten Schule erworben. Die Nordinsel dagegen kann vor allem mit den Naturwun- dern ihrer vulkanischen Aktivitäten auftrumpfen, und gemeinsam mit der oft überdi- mensionalen Vegetation bildet sie eine natürliche Kulisse für Fantasy-Filme. Außerdem ist überall das Meer nahe, mit seinen Stränden, Buchten und Sunden. Otto‘s Resümee: in kurzen sechs Wochen kann man nicht alles sehen – die doppelte Zeit wäre gerade ausreichend! Ein hohes Lob der Fotografin, die zuweilen gemäldehaft (zwischen Kaspar David Friedrich und Joan Miró) wirkende Stimmungen und Strukturen einzufangen wusste, und zuletzt vor allem die Aufgabe bewältigen musste, die während der 6.000 Reisekilometer entstandenen 13.000 Fotos auf ein zuschauergerechtes Maß zu redu- zieren.                                                                                                                                                         a.m.

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21. Jan. 2016, Bezirksmuseum: Reinhard Wolf
Natur vor der Haustür – Die Entdeckung der Nähe
Mit diesem Kontrastprogramm zu den ganz hohen Gebirgen wurde offenkundig eine Bedarfslücke gefüllt. Früher hätten eingefleischte Kletterer nur herabgezogene Mund- winkel für das Thema und die präsentierten Regionen gehabt – doch mit den Jahresrin- gen wächst auch unter bergsteigenden Naturliebhabern das Interesse an weniger stra- paziösen Exkursionen. Eine derartige Vielfalt an Arten und Landschaftsformen würde man im Areal zwischen Thayatal, Voralpen und Neusiedlersee nie vermuten. Die reich- liche Blumenpracht des Eichkogels am Südabhang des Anninger ist zwar kein Geheim- nis mehr – wer aber weiß etwa, dass in Niederösterreich die größte fossile Austernbank der Welt zu finden ist? Oder eine echte Sanddüne? – Reinhard Wolf ist durch seine Wan- der- und Kulturführungen zu allen Jahreszeiten und auch in unüblichen Gebieten unter- wegs. Als Hobby-Ornithologe legte er einen Schwerpunkt auf die Ergebnisse seiner Vogelbeobachtungen, für die ein normaler Wanderer erst einmal ein Fachbuch zu Rate ziehen müsste. Diese Aufnahmen, die selbst uns „Universum“-verwöhnten Bildkonsu- menten ein achtungsvolles Raunen abnötigten, sind das Ergebnis unzähliger Stunden geduldigen Wartens, und vor allem des Wissens, wo man warten muss. So hat er neben Blumen und ungewöhnlichen Landschaften so ziemlich alle tierischen Bewohner dieses kleinen Naturkosmos fotografisch festgehalten: vom Osterluzeifalter über Neuntöter, Schwarz- storch, Großtrappe, Otter, Biber und Goldschakal – nur seinem vierbeinigen Namens- vetter ist er noch nicht begegnet!                                                      a.m.

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7. Jan. 2016, Klubheim:  Leo Graf
Pik Kommunismus, 7.495 m: Der Name wechselt – der Berg bleibt
Der Andrang im Klubheim war beängstigend – vielleicht, weil Leo seit Neuestem so Vielen vom Fernsehen her bekannt ist? Das erwartungsvolle Publikum wurde nicht enttäuscht und konnte ein Filmdokument aus einer verflossenen Ära des Höhenberg-steigens genießen, das trotz Amateurcharakters und kleiner technischer Schrammen mindestens so zu fesseln vermochte wie heutige HD-Produktionen. – 1976 reiste im Rahmen des Bergsteiger-Austausches der „Österreichisch-Sowjetischen Gesellschaft“ eine 21-köpfige Gruppe österreichischer Alpinisten ins Pamir-Gebirge – allesamt Berg- steiger von Rang, mit imponierenden Tourenverzeichnissen, wie Wolfgang Axt, Rolf Walter, Franz Lindner, Joschi Pfeffer, und, und, und … In Verbindung mit fast durch- wegs optimalen Bedingungen war der Erfolg dieser Truppe praktisch vorprogrammiert. Unbehelligt vom system-üblichen Reglement konnte sie in individualistischen „Nei- gungsgruppen“ die Besteigung des höchsten Gipfels der damaligen Sowjetunion aus- führen. Und weil danach noch einige Tage Zeit blieb, offerierte ihnen Basislager-Chef Ovchinnikow einen Hubschrauberflug zum Ausgangspunkt für den Pik Korschenwskaja, 7.105 m. Der bildete die Schlagobershaube dieser Expedition: bestens akklimatisiert, gelang dieser Siebentausender im Auf- und Abstieg locker in drei Tagen – das war für Leo der schönste seiner hohen Gipfel! – Anmerkung zum Untertitel: kaum ein Berg hat so viele Umbenennungen erlebt wie der höchste Gipfel der damaligen Sowjetunion. Anfangs mit einem „Pik Garmo“ verwechselt, wurde er erst zum „Pik Stalin“, danach „Pik Kommunismus“, dann „Pik 7.495“ und neuerdings „Pik Ismail Somoni“ (s. ÖAZ 1629).                                                                                                 a.m.

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19. Nov. 2015 – Bezirksmuseum: Richard Goldeband
Erstbesteigung Kokodak Dome, 7.129 m
Am 24.7.2014 konnte eine kommerzielle „Amical Alpin“ – Expedition unter Leitung von Luis Stitzinger die Erstbesteigung des Kokodak Dome (Kokodak II) in Chinas west- lichster Provinz Singkiang feiern! Vor allem dank des guten Wetters lief die Expedition fast fahrplanmäßig ab. Erst musste im unteren Bereich des Berges ein exponierter „Biancograt“ überwunden und danach die 800 Höhenmeter und mehrere Kilometer lange Gipfeletappe über den lang gezogenen Gipfelrücken durch tiefen Schnee gespurt werden, im Blickfeld immer wieder der mächtige, formschöne Mustagh Ata. Zwei Hoch- lager (5525 m und 6300 m) wurden auf der Route errichtet, schließlich standen zeitver- setzt nacheinander alle 13 Teilnehmer der Expedition aus Deutschland und Österreich, darunter Richard Goldeband und seine Frau Edith (bei diesem Vortrag als Co-Kommen-tatorin) sowie zwei Climbing Sherpas aus Nepal auf dem höchsten Punkt. – Im Vergleich zu den diesbezüglich „Goldenen“ Sechziger- und Siebzigerjahren, als etwa Hanns Schell & Co. fast im Jahresrhythmus aus dem Vollen schöpfen konnten, ist die Zahl der noch unbestiegenen Siebentausender mittlerweile überschaubar geworden. Umgekehrt ist es nun auch „normalsterblichen“ guten Bergsteigern möglich, ein solches Erlebnis zu verwirklichen. Noch dazu, wenn praktisch alle Komponenten passen: eine technisch unkomplizierte und sichere Route, eine trotz ihrer relativen Größe ausgeglichene Truppe, und in erster Linie: ideale Witterungsbedingungen. – Glückwunsch von uns Allen!                                                                                                                                                            a.m.

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5. Nov. 2015 – Klubheim: Fritz Lukan  G‘schichten aus dem Wienerwald
Aus ihrem Anekdotenfundus hat Fritzi Lukan kaum Bekanntes aus dem vermeintlich so wohlbekannten Wienerwald präsentiert. Unaustilgbare Geschichtsverbiegungen durch Sagen etwa; die kuriose Felsrippe des „Kahlenbergergrates“; sensationelle „Hypes“ von Vorvorgestern: einstmals tausendfältigen Andrang beim „wundertätigen“, heute verwaisten Agnesbrünndl; die früher zahllosen Votivbilder an den Bäumen bei Maria Grün. Oder: Johannes Fürst von Liechtenstein war nicht Urvater des Briefkastens, sondern hat sich große Verdienste um die Wiederaufforstung der im 18. Jh. völlig entwaldeten Hinterbrühl erworben, welche er nach damaligem Zeitgeschmack mit künstlichen Ruinen (z.B. Schwarzer Turm) verzieren ließ. Während heute oft gekünstelte
„Themenwege“ entstehen, ist noch niemand auf die Idee gekommen, die nördlichste Erhebung des Alpenbogens mit einem Merkzeichen zu versehen: den unauffälligen Eichleitenberg, 366 m, bei Höflein. In seiner Nähe, in Weidling, liegt das Grabmal des Joseph v. Hammer-Purgstall, welches sich der berühmte Orientalist schon zu Lebzeiten errichten ließ und zu dem er – jeweils über die Wienerwaldberge – immer wieder pilger- te, „um demselben durch notwendige Bewegung so lange wie möglich zu entfliehen“ – und dies ganze 36 Jahre hindurch! Also: genügend oft in den Wienerwald gehen!      a.m.

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15. Okt. 2015 – Bezirksmuseum: Karl Heinz Tschiedl Berge und Krieg
Stätten der Alpenfront des I. Weltkrieges, auf alten Kriegsstraßen mit dem Mountainbike erkundet.
Überaus sachkundig und durch anschauliche Grafiken optisch unterstützt, wurden wir zu einigen markanten Abschnitten der einst vom Isonzo über die Drei Zinnen bis zum Adamello reichenden Frontlinie geführt. Die schönen Berglandschaften mit den heuti- gen, bunt gekleideten Bergradlern machten als greller Kontrast den monströsen Irrsinn des Alpenkrieges besonders deutlich: abgesehen von den Bemühungen, die jeweils „Anderen“ im Zug der Kampfhandlungen möglichst zahlreich und effektiv auszulö- schen, waren (mit Ausnahme der meisten Befehlshaber) alle Beteiligten in gleicher Weise mit ungeheuren Strapazen, Leiden sowie der gnadenlosen Gleichgültigkeit einer übermächtigen Bergnatur konfrontiert, welche teilweise eine höhere Opferzahl forderte als die Kampfhandlungen. – Unterlegt mit drastischen historischen Schwarzweißfotos, den düsteren Gemälden von Albin Egger-Lienz und Zitaten von Karl Kraus, blieb auch zuletzt die Frage offen, ob die Menschheit lernfähig sei … Ein eindrucksstarker Abend, dessen fast beklemmenden Grundton der Vortragende abschließend mit einer Art Stim- mungsaufheller aufzulösen wusste: einer hier umso berührender wirkenden Bilderse- quenz vom winterlichen Tirolerkogel.                                                                                             a.m.

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1. Okt. 2015 – Klubheim: Der Steiner Irg – Ein Film von Matthäus Weißenbacher
Zwei Handlungsstränge: eine aktuelle Begehung des Steinerweges in der Dachstein-Südwand, und parallel dazu ein kaleidoskopartiges Porträt des legendären Dachstein- führers, zusammengesetzt aus Interviews mit Zeitzeugen, allen voran mit seiner Nichte, der Steiner-Gretel. – Georg/Jörg/Irg Steiner: Wilderer, Deserteur, Weiberheld, gesuchter Bergführer, ein Mann, der nach seinen eigenen Regeln gelebt hat und deshalb von Vielen („… so möchte ich auch sein!“) als heimliches Vorbild gesehen wurde. Doch bekannte Bergsteiger existieren in der Vorstellung der meisten Außenstehenden über- wiegend als Abziehbilder ihrer alpinen Leistungen, ihre Schwächen und Defizite im Zusammenleben mit ihrer Mitwelt werden ausgeblendet. Allerdings: ein brav funktio-nierender Durchschnittsbürger taugt schließlich nicht zum Denkmal. Dennoch betreibt dieser Film keine Demontage im Sinne eines „Enthüllungsjournalismus“, sondern sucht eine durchaus respektvolle und objektive Annäherung an eine eindrucksvolle alpinis- tische Persönlichkeit, mitsamt ihren Ecken und Kanten, und ist daneben eine Hom- mage an die schöne Dachsteinlandschaft. (Für Interessierte: diese DVD ist im örtlichen Handel erhältlich.)                                                                                                                           a.m.

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17. Sept. 2015 – Klubheim „Hüttenabend“
„Dieser Saisonauftakt macht Lust auf mehr… Man verstand wieder, was Musik auch sein kann, denn zum Raum wurde hier die Zeit.“ Na gut – falsche Fährte: dies war eigentlich auf das Konzert der Staatskapelle Berlin im Musikverein gemünzt! In unser Etablissement hat sich (zum Glück) kein Musikkritiker verirrt, die fast dreißig Mitwirken- den konnten ihren Amateurstatus souverän unter Beweis stellen. – Reinhard Wolf mit seinem Akkordeon war natürlich der Motor der Veranstaltung und hatte sich die Mühe gemacht, eigene Texthefte zu erstellen. Was man früher so alles gesungen hat, wirkt bei genauerer Betrachtung teilweise seltsam und irgendwie aus der Zeit gefallen, was aber im Grund auf uns alle zutrifft. Es war eine Reise in eine vergangene Ära des Hütten- lebens, garniert mit Anekdoten und Schnurren, sowie mit durchaus ernsthaften Be- trachtungen über den zunehmenden Verlust der Dialekte, die den Reiz vieler alter Lie- der ausmachen. – Einhellige Meinung: einen solchen Abend sollten wir wieder einmal einplanen, etwa im Frühjahr, als Abschluss unserer Vortragsserie.    a.m

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Do 16. April 2015 – Klubheim: Roland Maruna Traumberge
Die ursprünglich für diesen Abend geplante Gesprächsrunde über alpine Sicherheit wurde wegen einer Terminkollision von Ronald Newerkla auf den Herbst verschoben. – Roland Maruna sprang mit einem Solo-Auftritt der Extraklasse ein. Seine Traumgipfel zählen zu den am schwierigsten erreichbaren Punkten des Erdballs: Däumling, Naranjo de Bulnes, Ama Dablam, Carstensz Pyramide. Der Däumling mit seiner Ostkante erweist sich für einen Dachsteinkenner und -anrainer als naheliegende Herzensangelegenheit. Etwas weiter ausholend ist für einen Alpenkletterer die Beziehung zum Naranjo (span.: Orangenbaum) de Bulnes, einem dem Däumling optisch verwandten Monument aus kletterfreundlichem Kalkfels. Über die Ama Dablam in Nepal braucht man keine Worte zu verlieren. Wäre sie 1966, als sie laut „Alpinismus“ im Ranking der „Schönsten Berge der Welt“ auf Platz 9 landete, schon so vielen Bergfreunden aus eigenem Augenschein bekannt gewesen, hätte dieser 6856 m hohe, technisch schwierige Gipfel auf jeden Fall Rang 1 eingenommen. Die Carstensz-Pyramide in Neuguinea verdankt den Begriff „Traum“ vor allem ihrer schwierigen Erreichbarkeit und dem regenreichen Wetter. Träume muss man sich rechtzeitig erfüllen: Ist einst ganz Papua-Neuguinea von der in Sichtweite gelegenen, militärisch bewachten Freeport-(Gold-) Mine umgewühlt, könnte deren Abraumhalde der nahen Carstensz-Pyramide den Platz als höchstem Gipfel der Insel und einem der „Seven Summits“ streitig machen.                                                        a.m.

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Do 19. März 2015 – Bezirksmuseum: Stefan Kucsko Spitzbergen, Nord-Süd
Svalbard, „kalte Küste“, lautet die Bezeichnung für diese gesamte polare Inselgruppe, „Spitzbergen“ gilt nur für die Hauptinsel. Nach dem Erreichen beider Pole und einer Grönlanddurchquerung war deren Durchquerung ein naheliegendes Ziel für den passionierten „Eiswanderer“ Stefan Kucsko. Mit einem professionell gemachten Film (vom bis auf den letzten Notsitz gedrängten Publikum abschließend mit lebhaftem Applaus bedacht) wurde dieses Unternehmen dokumentiert. Die rund 700 km lange Strecke wurde in zwei Jahresetappen bewältigt, jeweils von einem Ausgangspunkt östlich der Haupt„stadt“ Longyearbyen einmal zur Nordspitze mit der Besteigung des 1713 m hohen Newtontoppen, des höchsten Berges, und einmal zur Südspitze. Als Draufgabe zur Abrundung unternahm er eine Schiffsrundreise mit mehreren Anlandun- gen, um die örtliche Tierwelt in Augenschein zu nehmen: Walrosse, den König der Arktis- den Eisbären, und allerlei Seevögel. So etwas wie Fernweh dämmert auf, du beginnst interessiert zu recherchieren, liest von Papageien- und Krabbentauchern, Dreizehen- und Raubmöven, sowie – nanu: Trottellummen! Da begegnet dir doch tatsächlich vor der Haustür täglich ein Stück Spitzbergen-Fauna!                    a.m.

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Do 19. Feb. 2015 – Bezirksmuseum: Helmut Chorvat  Kapverdische Inseln 
Eine fast vergessene Inselgruppe – nicht mehr Afrika und noch nicht Karibik, einst unter  portugiesischer Herrschaft, seit 1975 unabhängig, in der Kolonialzeit Sklaven-Umschlagplatz, später Kohlebunker für die Transatlantik-Schifffahrt. Nun hofft die Be- völkerung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den Fremdenverkehr. Sie möchten gerne eine Touristendestination wie die Kanarischen Inseln werden – schöne, (noch) unverbaute Strände gäbe es genügend – was fehlt, ist das für einen Massentou- rismus benötigte Wasser! Ein eigenartig herber Reiz geht von den Landschaften dieser Inseln aus, die untereinander per Schiff oder Flug zu erreichen sind und eine Gesamt- fläche wie das Burgenland umfassen – rund 7000 qkm. Die Zuschauer dieses Abends konnten anstrengende Wanderungen zu und von den Hochplateaus miterleben, sowie eine Besteigung des höchste Gipfels, des Vulkans Fogo, 2829 m, auf der gleichnamigen Insel, in dessen Caldera auf fruchtbarem Lavaboden sogar Wein gedeiht. Besser gesagt, gediehen ist: im November 2014 begann ein 70 Tage währender Lava-Ausbruch, bei dem zwar keine Menschen zu Schaden kamen, der aber einen großen Teil der Gebäude und der Anbauflächen zerstörte.                 a.m.